Albanien 2019

So. 26.05.2019: Am Nachmittag sind wir in Albanien angekommen. Wir kennen vom letzten Jahr einen schönen Platz am See zwischen Leskovik und Erseke. Diesen steuern wir an und verbringen eine ruhige aber verregnete Nacht.

Mo. 27.05.2019: Da unsere EU-SIM-Karte Albanien nicht abdeckt, besorgen wir am Morgen in Erseke eine entsprechende albanische Karte und bezahlen für 10 GB Internet und zusätzlichen 10 GB für soziale Medien, umgerechnet gerade mal 13 €. Diesbezüglich scheint mir Albanien fortschrittlicher zu sein als Deutschland. Wir bummeln durch Korce und kaufen die nötigsten Lebensmittel für die nächsten Tage. Ab Maliq fahren wir entlang des Flusses Devoll, zuerst auf Piste dann auf asphaltierten Serpentinen über die Hügel. Leider wurde der Devoll in diesem Bereich durch eine norwegische Firma zweimal aufgestaut um dort mittels Wasserkraft Strom zu erzeugen. Auf der einen Seite löblich, da „saubere“ Energie, auf der anderen Seite wurde hier die Natur unwiederbringlich in seiner Ursprünglichkeit zerstört. Kurz vor Gramsch finden wir auf einer Wiese direkt am Fluss einen traumhaften Stellplatz.

Di. 28.05.2019: Bei schönstem Wetter gelangen wir über Gramsch nach Elbasan. Hier nutzen wir die Gelegenheit und lassen uns beide die Haare schneiden. Für umgerechnet jeweils 5 € bekommen wir einen perfekten und modernen Haarschnitt incl. Waschen. Auf dem authentischen Lebensmittelmarkt kaufen wir tütenweise Gemüse und Obst für kleines Geld, frischer und qualitativ hochwertiger als in jedem Supermarkt. In Kucove in der Nähe der restaurierten Kirche Perondi, die Enver Hoxha wie viele andere zerstören ließ, haben wir auf einem Gemeindeparkplatz eine Übernachtungsmöglichkeit gefunden. Dort waren wir bei der Jugend die Attraktion, hatten aber eine unruhige Nacht durch das fast durchgängig Hundegebell der Dorfhunde.

Mi. 29.05.2019: Sollen wir die Nebenstrecke zwischen Kucove und Balsch nehmen? Einer riet uns ab und zwei zu. Ok, wir entschieden uns dafür. Am Ende wussten wir, warum uns einer abgeraten hatte: ein Teil der Strecke war mit normalen PKWs nicht zu bezwingen. Genau aus diesem Grund haben wir ja auch kein normales Womo. Unser Landy bewältigte die lehmigen Auswaschungen mit Bravour. Und wir erreichten Ballsh ohne zu Kippen oder hängen zu bleiben. Ein penetranter Geruch kündigte die Raffinerie der Stadt schon von Weitem her an. Im Umfeld sind teils noch in Betrieb befindliche Ölbohrtürme und -pumpen zu sehen. Es stinkt ziemlich erbärmlich nach Öl, welches ungehindert in Bäche und ins Erdreich fließt. Vom antiken Byllis hatten wir einen genialem Blick ins Vjosa-Tal. Dieser beeindruckte mehr als die über 2000 Jahre alte Ruinenstadt, in der schon Cäsar seine Spuren hinterließ. Am Fuß des Berges richten wir direkt im Kiesbett der Vjosa unser Lager ein und genießen einen schöner Sonnenuntergang.

Do. 30.05.2019: Ein weiterer Tag an der Vjosa verbracht.

Fr. 31.05.2019: Um mehr von der Gegend zu sehen, nahmen wir den zwar kürzeren aber dafür deutlich anstrengenderen Weg nach Vlora. Was wir sahen, erschreckte uns erneut. Hunderte von deutlich überalterten Bohrtürmen und -pumpen sind über das Land verteilt. Der Zahn der Zeit nagte doch deutlich am Material und somit an der Dichtigkeit besagter Technik. Große Flächen Erde sind schwarz vom austretenden schwarzen Öl. Hinweistafeln warnen vor dem hoch giftigen Gas Schwefelwasserstoff. Das ganze Umfeld stinkt nach faulen Eiern. Unglaublich, welcher Raubau hier an der Natur verübt wird.

Da es in Albanien an jeder Ecke die Möglichkeit gibt, sein Auto waschen zu lassen, ließen wir den Landy von wochenaltem Staub und Schlamm befreien.

Knapp 10 km hinter Vlora besetzen wir zusammen mit einem 4×4 Sprinter ein Wiesengelände am Strand.

So. 02.06.2019: Über Fier an die Lagune Divjake-Karavasta gefahren. Dort soll noch eine Kolonie Pelikane leben. Wir stellen uns auf den weitläufigen und mehrere hundert Meter tiefen Sandstrand und beobachten das allmähliche Vorbereiten für die Sommersaison. Die Strandbars werden aufgebaut und die defekten Sonnenschirme mit Schilfgras repariert. Da Sonntag ist, füllt sich der Strand am Abend mit feiernden Jugendlichen.

Mo. 03.06.2019: Leider regnete es den ganzen Tag. Eigentlich hatten wir vor, von einem Beobachtungsturm die Pelikane zu beobachten. Dieser Spaziergang fiel sprichwörtlich ins Wasser.

Di. 04.06.2019: Nach einem kurzen Fotoshooting mit dem Landy in der Festung Beshtova suchten wir die Strände nach einem geeigneten Übernachtungsplatz ab. Außer einem kuscheligen Lager in einem Pinienwald nahe Spille fanden wir drei mumifizierte Meeresschildkröten auf einer Strecke von ein paar Hundert Metern. Darüber, warum diese Tiere sterben mussten konnten wir nur spekulieren. Lag es an dem vielen Plastik, das überall am Strand angeschwemmt wurde oder war es die Überanstrengung nach der Eiablage? Auf alle Fälle scheinen die Eiablageplätze durch die ständige Umwandlung der Naturstrände in Badestrände gefährdet zu sein.

Do. 06.06.2019: Je weiter wir nach Norden kommen, desto schwieriger gestaltet sich die Stellplatzsuche. Durres als zweit größte Stadt in Albanien, haben wir nur kurz gestreift. Vom letzten Jahr wussten wir, dass schöne und abgelegene Plätze in dieser Region rar sind. Auch hatten wir die Tage zuvor festgestellt, dass die Strände immer mehr mit Plastikmüll verschmutzt sind. Zwischen Durres und dem Kap Rodon haben wir eine Übernachtungsmöglichkeit gefunden. Allerdings war das der bisher schmutzigste Strand überhaupt. Tausende Trinkflaschen und anderer Müll aus Kunststoff waren vom Meer an den Strand gespült worden. Hier wurde uns wieder bewusst, dass wir diesbezüglich auf ein riesen Problem zusteuern und sich niemand diesem entziehen kann.

Sa. 08.06.2019: Nach einem kurzen Abstecher zum Kap Rodon fanden wir bei Tale endlich wieder einen perfekt sauberen und traumhaften Strand. Hier verbrachten wir gleich zwei herrliche Tage bei schönstem Sonnenschein.

So. 09.06.2019: Wir hatten genug vom Meer und wollten mal wieder etwas von der Landschaft sehen. Im Reiseführer lasen wir, dass in nicht all zu weiter Entfernung ein ehemaliges Gefangenenlager sein soll. Schnell fanden wir den Ort Spac auf der Karte und steuerten Richtung Osten, in die Region Mirdita. Mirdita heißt „Guten Tag“. Aufgrund der östlichen Lage, also dort wo die Sonne aufgeht und der neue Tag beginnt, hat diese Gegend ihren Namen bekommen.

Vor allem unter Enver Hoxha wurde hier Kupfer abgebaut. Hauptsächlich politische Strafgefangene waren zu dieser Arbeit eingesetzt. Sie waren im berüchtigten Lager bei Spac unter unmenschlichen Bedingungen untergebracht und wurden teilweise sogar gefoltert und getötet.

Weiter ging es über steinige und holprige Bergpiste. Immer wieder wurden wir von Enduros und später auch von Quads überholt. Auf halber Strecke fanden wir eine geeignete Übernachtungswiese unweit der Piste. Von dort aus beobachteten wir wie jetzt auch aufgemotzte Geländewägen über die Waldwege donnerten. Ob wir da in die Ralley Albania geraten sind?

Mo. 10.06.2019: Der Weg führte uns weiter durch die Berge der Region Mirdita. Immer wieder stoppten wir und ließen den Blick in die Ferne schweifen. Abends fanden wir den perfekten Übernachtungsplatz auf einer abseits gelegenen Waldwiese. Hier stießen wir mit einem -oder doch mehreren Gläsern Aperol auf Martinas Geburtstag an.

Mi. 12.06.2019: Da der gestrige Tag etwas anstrengend war, „gönnten“ wir uns heute einmal einen Tag auf einem Campingplatz am Lake Shkodra. Martina genoss das ausgiebige Bad im See und ich hatte endlich mal Zeit und freies WLAN um den Albanien-Part im Blog einzustellen. Übrigens hatten wir uns schon gewundert, dass wir bei unserem diesjährigen Albanien-Trip so gut wie keine Offroader sahen. Kein Wunden, wenn alle auf diesem Campingplatz stehen.

Fr. 14.06.2019: Zwischenzeitlich sind wir in Tal von Vukel und Nikc angekommen. Dieses liegt ca. 10 km östlich von Tamare und ist nur über anspruchsvolle Steinpiste im Schritttempo zu erreichen. Wir hatten dort bei unser letzten Reise eine nette Familie kennen gelernt, die wir wieder besuchen wollten. Leider trafen wir nur noch die Großmutter an. Mit viel Gesten machte sie uns klar, dass die restliche Familie nicht mehr hier wohnt. Da wir uns arg auf diese netten Leute gefreut und eine ganze Tasche voller Geschenke für sie dabei hatten, saßen wir am Abend ziemlich traurig am Womo. Wir malten uns schon aus, dass der Vater sich seinen Traum erfüllte und nach Deutschland ausgewandert ist, als plötzlich ein junger Albaner „Hello“ rief. Wir erkannten Toni, ein 16-jähriger Junge, der damals bei dieser Familie war. Die Freude war auf beiden Seiten groß. Er gab uns zu verstehen, dass die Familie jetzt im nahegelegenen Tamare wohnen würde. Wir beschlossen die Familie am nächsten Tag in Tamare zu suchen. Leider ohne Erfolg. Wir zeigten einigen Bewohnern von Tamare Bilder der Personen, in der Hoffnung sie könnten uns die Adresse sagen, aber keiner kannte sie. Auch ein erneutes Treffen mit Toni, welches wir über WhatsApp organisierten, brachte keinen Erfolg. Er konnte oder wollte uns nicht zu der Familie bringen. Letztendlich wurde die Angelegenheit ziemlich kompliziert, so dass wir schlussendlich erfolglos zu unserem letzten Ort in Albanien fuhren.

Sa. 15.06.2019: Vermosh liegt am gleichnamigen Fluss im nördlichsten Zipfel von Albanien. Zusammen mit Theth und Valbone gehört es zu den bekanntesten und touristisch erschlossensten Orten in den albanischen Alpen. Unseren letzten albanischen Stellplatz finden wir mitten im fast schon trockenen Flussbett.

So. 16.06.2019: Wir verlassen Albanien bei schönstem Wetter. Etwas traurig sind wir schon. Wir haben Albanien und seine Menschen wieder als was ganz besonderes kennen gelernt. Hoffentlich werden sie ihren Charakter noch lange behalten, auch wenn der Tourismus rasend schnell Einzug erhält. Eine Bitte haben wir noch: Liebe Albaner, passt bitte besser auf eure Natur auf. Diese ist so einmalig und euer zukünftiges Kapital.

2 thoughts on “Albanien 2019”

  1. Liebe Martina und Peter!

    ich habe wieder ein Stückchen Reise mit Euch erlebt, mir stockt der Atem und fehlen die Worte…

    ich denke an Euch…Jolanta

    1. Hallo Jola, du treue Seele. Schön, dass du immer dabei bist.

      Liebe Grüße,
      Peter und Martina

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