Albanien – Der Nord-Westen

 

Richtung Lezhe verlassen wir nun endgültig die albanische Adria. Oben auf der dortigen Festung genießt man einen spektakulären Rundumblick, den ich zu verschiedenen Tageszeiten fotografisch festhalte. Richtung Nord-Osten bis zu den albanischen Alpen, im Norden nach Shkodra und nach Westen zu den verzweigten Lagunen am Meer. Da Lezhe außer der Festung und der Begräbnisstätte Skanderbergs für uns nichts Interessantes zu bieten hat, machen wir uns am nächsten Morgen auf zum Stadtbummel nach Shkodra.

In der 100.000 Einwohner-Stadt Shkodra geht es verkehrstechnisch ziemlich chaotisch zu. Auffallend sind die vielen Fahrradfahrer, die meinen, besondere Rechte zu haben. Das Womo parkten wir deshalb sicher ca. 2 km vor dem Zentrum in der Nähe des „Neuen Bazars“ und gehen den Rest zu Fuß. Ausgehend vom Zentralplatz Sheshi Demokratica erkundeten wir das Zentrum der Stadt. Auffallend wie immer in den ganz großen Städten Albaniens ist der krasse Gegensatz von Arm und Reich. Auf der einen Seite die hypermodernen Hotels mit entsprechendem Klientel und auf der anderen Seite die bettelnden Menschen aus separaten Wohnvierteln. Nach ca. dreistündigem Fußmarsch besichtigten wir die Burg Rozafa und die Bleidachmoschee nur noch aus der Ferne. Gemütlich war der Abend dann am Ostufer des Skutarisees. Dieser ist mit einer Fläche um die 500 Quadratkilometer der größte See des Balkans. Tief ist er allerdings nur knapp 10 m.

Die Ura e Mesit, die Mesi-Brücke ist mit ihren knapp 110 m Länge, die längste osmanische Steinbogenbrücke aus dem 18. Jahrhundert. Sie ist 18 m hoch, hat 15 Durchlässe und als Besonderheit in der Mitte einen seitlichen Knick. Im nahegelegenen Örtchen Drisht, unterhalb der gleichnamigen Burg, durften wir die allgegenwärtige albanische Gastfreundschaft erneut miterleben. Auf dem Weg zur Burg wurden wir beim Vorbeigehen angesprochen und eingeladen. Neben dem obligatorischen Kaffee-Raki-Gedeck gab es Granatäpfel, Trauben, Käse, Brot und eingelegten Paprika. Zwei Stunden zuvor hielt uns ein älterer Herr auf der Straße an, kletterte seine Gartenmauer empor und pflückte uns vier Granatäpfel. In Deutschland wären diese Gesten unvorstellbar.

Wehmütig fahren wir die letzten Kilometer zur albanischen Grenze. Heute ist unser letzter Tag in diesem wundervollen Land. Wir nehmen uns noch knapp zwei Wochen Zeit für die Heimreise, die zumeist an der Küste entlang gehen soll.

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