Albanien – Der Osten

 

Was sehen meine Augen im etwas schmuddeligen Park in Kukes? Ein dunkelgrüner Landy steuert den selben Übernachtungsplatz an wie wir. Das Fahrzeug kennen wir doch. Er fuhr ein paar Kilometer die Piste bis Theth vor uns her.

Wie unter Landyfahrern üblich, rotteten wir uns zusammen und wechselten die ersten Worte. So lernten wir Richard und Sophie, ein sympathisches Paar aus der Nähe von Berlin, kennen. Es stellte sich heraus, dass die beiden ein Stück weit die selben Pisten fahren möchten wie wir. So beschlossen wir dies gemeinsam zu tun.

Am nächsten Tag ging es anfänglich noch auf Asphalt Richtung Grenze zum Kosovo bis nach Shishtavec, einem ursprünglichen und ländlichen Örtchen auf 1350 m Höhe. Anschließend auf Piste wieder abwärts nach Kolesjan. In Shishtavec lernten wir Arthur kennen, ein Albaner, der wie so viele, auch schon in Deutschland war. Er lud uns ein, mit ihm in ein Cafe zu gehen.

Entlang des schwarzen Drins fuhren wir auf nicht immer einfachem Untergrund nach Peshkopia. Einer quirligen Kleinstadt mit „unterirdischem“ Markt und vielen Handwerksbetrieben. Wobei das Wort „Handwerk“ dort noch die ursprüngliche Bedeutung hat. Es wird noch wirklich noch „von Hand“ produziert.

Auf dem Weg dort hin übernachteten wir frei auf einer Wiese, als plötzlich aus der Dunkelheit zwei Männer auftauchten. Zuerst etwas erschrocken baten wir die beiden, Platz zu nehmen und mit uns ein Bier zu trinken. Es stellte sich heraus, dass die beiden gekommen waren, um uns einzuladen, ihre Familien kennen zu lernen. „Visit Familia“, sagte einer immer wieder. Wir versprachen, am nächsten Morgen vorbei zu kommen. Man nahm uns beim Wort, denn schon kurz vor 7 Uhr wurden wir von einem etwa 15 jährigen Jungen geweckt und zu den jeweiligen Familien gebracht.

Auch tags darauf wiederholte sich diese gelebte Gastfreundschaft. Es ist für uns schon sehr beeindruckend und oft auch berührend, wie weit Gastfreundschaft in Albanien tatsächlich geht. Man wird an den jeweiligen Stellplätzen aufgesucht und abgeholt. Selbst Sprachbarrieren spielen überhaupt keine Rolle. Mit Freude und Stolz wird gezeigt, was man hat. Meist sind es dann die einfachen Dinge, die einen so staunen lassen. Der selbstgemachte Käse, das Brot, Butter, Obst oder Gemüse. Natürlich alles bio und das wenigste gekauft. Die Milch für den allgegenwärtigen Kaffee wird handwarm schnell von der Kuh gezapft und Raki ist selbstverständlich. Uhrzeit spielt keine Rolle und selbst gebrannt ist er auch, versteht sich. Auch beim Abschied sind wir bisher nie mit leeren Händen gegangen. Es gab immer eine große Tüte mit allem, was angebaut wird. Meist verbunden mit einem Rundgang durch den Garten. Wir wurden von Kindern besucht, die die englische Sprache nur durch Untertitel im Fernsehen gelernt haben und denen wir mit kleinen Geschenken eine große Freude machen konnten. Als Dankeschön bekamen wir eine herzliche Umarmung von allen und viel Gewinke beim Wegfahren.

Da Sophie und Richard in etwa einer Woche wieder Zuhause sein müssen, trennten sich unsere Wege leider am Ohrid-See. Es waren ein paar sehr schöne und spannende Tage mit den beiden.

Alleine führte unser Weg über Mazedonien um den Ohrid-See, hoch zum Prespa-See und wieder zurück nach Albanien und weiter parallel zur griechischen Grenze. Bei Korce ist die Landschaft geprägt vom Obst- und Gemüseanbau. Es dominieren Äpfel in verschiedenen Sorten. Aber auch Pfirsiche, Birnen, Paprika und Bohnen gibt es in rauen Mengen. Überall wird geerntet und abtransportiert. Oft mit Pferdefuhrwerken oder auf Eseln, die am Straßenrand geduldig warten.

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