Albanien – Der Süden

 

Ab Lescovic bzw. Corovode verlassen wir die griechische Grenze in Richtung Nord-Westen. Kurz vor Permet führt uns der Weg nach Benjes, welches für seine Schwefelquellen bekannt ist. Um die alte türkische Steinbogenbrücke Ura E Cadiut wurden verschiedene Quellen zu kleinen Badebecken aufgestaut. Das ca. 26° warme und schwefelhaltige Wasser dient zur Linderung von verschiedenen Beschwerden wie Magenproblemen und Rheuma. Hinter der Brücke beginnt die Lengarica-Schlucht, die man bei niedrigem Wasserstand ca. 6km durchwandern kann.

Die anspruchsvolle Fahrt durch den Frasher-Nationalpark heben wir uns für den nächsten Albanienbesuch auf. Stattdessen steuern wir den Osum-Canyon an. Der Weg dahin führt uns an einem schon von weitem gut sichtbaren großen Gebäude mit auffälliger Kuppel oben auf einem Plateau vorbei. Es ist der Sitz einer dem Bektashi-Orden untergeordneten Gemeinschaft. Da Besucher dort nicht erwünscht sind, belassen wir es bei ein paar Bildern von weitem.

Nach vielen Kilometern auf Naturpiste treffen wir auf den 161 km langen Fluss Ossum, der über die nächsten Kilometer einen bis zu 100 m tiefen Canyon ins Gestein gegraben hat. Beeindruckend sind die Blicke von der oberhalb verlaufenden und perfekt asphaltierten Straße. Allerdings dauert es nicht lange, bis diese wieder in eine Piste übergeht. Sie schlängelt sich immer weiter in die Höhe und führt uns, an einigen Marmorsteinbrüchen vorbei, weiter um das 2416 m hohe Tomorr-Massiv. Unterhalb des Gipfels sieht man noch deutlich die Spuren der alljährlichen Pilgerschaft zum Mausoleum des Abbas Ali, einem Halbenkel des Propheten Mohammed, der angeblich dort auf dem Gipfel begraben sein soll.

Im Ort Polican sieht man noch die Überreste der alten Bunker und Fabrikgebäude, in denen dort unter Enver Hoxha Waffen produziert wurden. In Berat kehrt sich unsere Reise wieder gen Süden bis nach Gjirokaster. Beide Großstädte gehören wegen ihrer besonderen Architektur zum UNESCO Weltkulturerbe. In Berat, der Stadt der 1000 Fenster, dominieren die freundlichen, weißen Fassaden, wobei Gjirokaster durch die grauen Schieferdächer eher etwas trist wirkt.

Sehenswert sind in Berat die drei Altstadtteile Kalaja hoch oben auf dem Berg innerhalb der Festungsmauern, Mangalem an dessen Fuß und Gorica auf der anderen Seite des Osum. Angeschaut haben wir uns vor allem Kalaja, von wo man unter anderem einen schönen Blick über die Neustadt hat.

Gjirokaster, ebenfalls mit imposanter Festung und in Alt- und Neustadt gegliedert wurde schon 1961 von Enver Hoxha zur Museumsstadt erklärt. Das sehenswerte Bazarviertel und einige Wehrhäuser sind schon authentisch renoviert. Vieles ist aber noch zu tun.

Albaniens Diktator Hoxha wurde 1908 in Gjirokaster von wohlhabenden, muslimischen Eltern geboren. Nach diversen Studien und Ausbildungen in Frankreich und Belgien gründete er die „Kommunistische Partei Albanien“, deren Vorsitz er nach dem zweiten Weltkrieg übernahm. Aus dieser entwickelte sich die Sozialistische Volksrepublik Albanien. Nach diversen gescheiterten Kooperationen mit Jugoslawien, der Sowjetunion und China brach Hoxha sämtliche Beziehungen zu anderen Ländern ab und isolierte somit das Land Albanien bis zu seinem Tod 1985 vom Rest der Welt. Von seinem Nachfolger wurde diese Gesinnung noch bis November 1990 weiter geführt. Obwohl Albanien diktatorisch geführt wurde, Privatbesitz verboten war und Hoxha in unseren Augen paranoide Strategien hatte, stand die Bevölkerung hinter ihm und empfand seinen Tod als großen Verlust. Wohl gab er ihnen durch sein Tun das Gefühl der Sicherheit. Ab den 1990er-Jahren setzte ein Umdenken in der Bevölkerung ein. Durch die ersten Wahlen 1991 entwickelte sich Albanien ganz langsam zu einem demokratischen Staat.

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