Albanien – Die Heimreise

 

Albanien verlassen wir über den Grenzübergang unterhalb des Skutarisees und steuern die südlichste montenegrinische Stadt Ulcinj am Meer an. Muslimisch geprägt fallen die unzähligen Minarette auf. Sehr orientalisch wirkt auch der Markt, bzw. Bazar im Zentrum der Neustadt. Weniger gefällt uns die Altstadt, die fast nur aus einer Aneinanderreihung von Restaurants und Hotels in historischem Gewand besteht.

Viel mehr Charme, und das trotz der unzähligen Tagesgäste der Kreuzfahrtschiffe, hat Kotor an der gleichnamigen Bucht. Die Anfahrt der Bucht über die Berge in unzähligen Serpentinen ist beeindruckend und der Blick, besonders bei Nacht, unvergesslich.

Das ebenfalls an dieser, einem norwegischen Fjord ähnelnden, Bucht liegende Tivat wurde erst 2009 zum Hingucker. Nach dem Verkauf des ehemaligen Militärhafens witterten ein paar findige Milliardäre das große Geschäft. Selber Besitzer einer Tiefsee-Luxus-Yacht bauten sie dort den Porto-Montenegro, den größten Hafen für Tiefsee-Yachten In Europa. Das Geschäft ging auf und Tivat mauserte sich zum Spielplatz der Reichen und Schönen.

Schon wieder stehen wir an einem Grenzübergang. Dieses Mal nach Kroatien.

Kaum zu glauben, wie sich eine Stadt verändern kann. Ich kannte Dubrovnik aus einem Urlaub von vor ca. 30 Jahren, als imposant aber dennoch beschaulich. Vermutlich sind es die unzähligen Passagiere der Kreuzfahrtschiffe, die Dubrovnik als Millionenmetropole erscheinen lassen. Die Besucherströme, die zu einem großen Teil aus Japanern bestehen, sind so immens, dass der Ein- und Auslass in die Altstadt geregelt werden muss. Wohlgemerkt jetzt noch Mitte Oktober.

Bei Neum geht‘s nochmals über die Grenze. Innerhalb von 10 Kilometern und etwas mehr als 10 Minuten passieren wir zwei bosnische Übergänge. An dieser Stelle besitzt Bosnien und Herzegowina einen Küstenabschnitt von ca. 10 Kilometern Länge. Davor und danach befindet man sich auf kroatischem Boden. Die Abfertigung ging an diesen doch etwas größeren Übergängen ungewohnt flott.

In den Jahren 1962 bis 1968 wurden im damaligen Jugoslawien die uns allbekannten Winnetou-Filme gedreht. Wenn schon mal hier, schauen wir uns ein paar der sehr eindrucksvollen Drehorte an. Außer an den Plitwitzer-Seen und den Krka-Fällen wurden einige „Wasserszenen“ am Fluss Cetina gedreht. Die meisten Szenen entstanden allerdings unterhalb des Mali Alan-Passes. An die Felsformationen des Tulove grede erinnert sich sicherlich jeder, der die Filme im Kino oder Fernsehen gesehen hat. Ganz bestimmt aber an den Blick in den Zrmanja-Canyon aus der Szene, als Winnetou und Old Shatterhand in Winnetou I Blutsbrüder wurden. Oberhalb auf der Ebene (dort wo mein Landy steht) stand während der Dreharbeiten das Lager Pueblo. Starigrad im Naturpark Paklenica ist eine weitere Hochburg der Drehorte. Dort hat sich sogar eine richtige Winnetou-Szene gebildet. Jährlich treffen sich Fans aus der ganzen Welt, um sich auszutauschen und in Erinnerungen zu schwelgen. Im dortigen Museum, das im original Hotel der damaligen Filmcrew untergebracht ist, findet man einige Requisiten und viele Bilder aus der Entstehung der Winnetou-Filme. Auch sind die Hotelzimmer von Pierre Brice und Lex Barker zu sehen. Wie bescheiden die damaligen Schauspieler doch waren. Leider wird man beim Besuch der Drehorte immer wieder an den ehemaligen Jugoslawien-Krieg erinnert. Vor allem das Gebiet um den Tulove grede wurde ziemlich vermint. Viele Hinweistafeln warnen noch vor etwaigen Überbleibseln.

An der nördlichen Küste von Kroatien hat uns der Bora erwischt. In Slowenien wurde uns klar, dass wir schon Ende Oktober haben und in München hatte uns der Herbst mit Kälte und Regen fest im Griff.

Nach sieben Wochen und rund 6000 gefahrenen Kilometern schauen wir auf eine bewegte und spannende Reise zurück. Wir haben Albanien als wunderschöne und abwechslungsreiche Perle des Balkans kennen gelernt. Die Albaner selbst als überaus zuvorkommend, gastfreundlich und authentisch, einfach als ganz besonders. Die meisten sind bitter arm und vermutlich gerade deswegen so bescheiden. Wir hoffen, dass diese Menschen ihre besondere Art noch lange behalten werden und diese durch den aufkommenden Tourismus nicht verdorben wird. Ansätze dazu haben wir in wenigen Fällen leider auch schon bemerkt.

Für uns bisher das Beste, was wir auf Reisen erlebt haben, geht es im Frühjahr nochmals ins unbekannte Albanien!

So long,
Peter und Martina

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