Albanien – Die Riviera

 

Beim historischen Butrint haben wir den südlichsten Punkt unserer Albanienreise erreicht. Auf dem Weg dort hin besuchten wir eine „unserem“ Blautopf ähnliche Quelle, das Syri i Kalter. Dieses „Blaue Auge“ bringt in mitten einer dschungelartigen Vegetation stolze sechs Kubikmeter reinstes und 12° kaltes Wasser pro Sekunde ans Tageslicht. Seinen Namen hat es durch die intensive blau-grüne Färbung, die sich je nach Sonneneinstrahlung ändert.

Statt der alten Butrint-Steine gönnen wir uns eine kurze aber abenteuerliche Fährfahrt über den Verbindungskanal, der den Butrintsee mit dem offenen Meer verbindet. Der Fährmann scheint uns interessanter zu sein. Dessen einziges Wort-Gesten-Repertoire aus „pay“ und einer minimalistischen Handbewegung für „weiterfahren“ besteht – sehr gewöhnungsbedürftig dieser Mensch und gar nicht albanisch! Typisch albanisch wiederum war seine mehr oder weniger aus alten Fässern zusammengeschweißte Fähre – sehr provisorisch, wie so vieles hier in Albanien. Der abendliche Blick über den Butrint-Nationalpark ist allerdings wieder phänomenal perfekt.

Endlich am Meer angekommen, legen wir erst mal einen Badetag an der Albanischen Riviera im Ionischen Meer ein. Da soll es aber noch eine geniale Tour durch ein Flussbett mit mehreren Furten und Wasserfall geben. Es ist der Fluss Shushica, der mich die Sonne nicht richtig genießen lässt. Off-the-Road kämpfen wir uns tags darauf von Borsh über Corraj bis nach Kuc und treffen kurz danach auf die Shushica. Dieses wunderschöne Tal stellt, wohlgemerkt durch das Flussbett, eine offizielle Verbindung von Kuc nach Gusmar im oberen Kurvelesh dar. Wir toben uns bei den Flussdurchfahrten so richtig aus, genießen die landschaftliche Schönheit sowie die rauschende Nacht am Fluss.

Vor ein paar Jahren galt er noch als Geheimtipp – der Gjipe-Beach mit gleichnamigem Canyon im Hintergrund. Ehemals mit Robinson-Charakter unterscheidet sich dieser Strand nur noch unwesentlich, vor allem aber durch die schlechte Erreichbarkeit, von anderen Stränden an der Riviera. Kleine Bars, Restaurants und sogar ein Campingplatz sind dort zwischenzeitlich entstanden. Dennoch treibt es jeden Albanien-Reisenden dort hinunter. Entweder zu Fuß über einen Trampelpfad oder 4×4 über übelste Stein-Piste am Abgrund entlang, um unten direkt am „Karibik“-Strand in tiefblauem Wasser zu baden und dort zu nächtigen. Zu Fuß gehen wollten wir nicht – hätten wir‘s nur getan. Als der Adrenalinspiegel sich allmählich senkte und trotz mehrfachem mentalem Hochfahren, verbrachten wir zwei wunderschöne Tage an diesem wohl spektakulärsten und schönsten Strand Albaniens.

In der Nacht hat es zu allem auch noch geregnet, was die Auffahrt wohl nicht einfacher machen wird. Dennoch sind wir heil und deutlich problemloser als befürchtet aber mit schweißnassen Händen oben angekommen. Unserem Landy sei hier mal ein verdientes Lob ausgesprochen!

Der 1043m hohe Llogara-Pass trennt die Adria vom Ionischen Meer. Auch trennt er Albanien klimatisch in zwei Zonen. Südlich sollen die Tagestemperaturen bis zu 3° höher sein. Da wir nordwärts unterwegs sind, dürfte die Temperatur dann knapp unter 30° liegen. Im alten Gemäuer oben auf dem Pass finden wir die frischen Überreste einer geschlachteten Ziege – für uns kaum vorstellbar.

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