Albanien – eine Reise in die Vergangenheit

 

Wir erreichen die Nordalbanischen Alpen über den Grenzübergang ganz in der Nähe von Vermosh. Schnell merken wir, dass dieses Land Jahrzehnte in Abgeschiedenheit und Isolation gelebt hatte. An der Grenzstation mit handbetriebenem Schlagbaum wurden unsere Personalien noch von Hand in ein überdimensionales Buch eingetragen – von EDV keine Spur. Auf der Straße liefen die Schweine und es fehlte der Asphalt. Die Häuser waren mit Holz gedeckt und die Bauern bestellten ihre Felder mithilfe ihrer Tiere. Aber genau um diesen Charme zu erleben sind wir hier.

Die Albanischen Alpen werden vor allem durch die Täler von Vermosh, Theth und Valbona geprägt. Alle drei sind durch Berge zwischen 2000 und 2500m Höhe voneinander getrennt. Vermosh, welches seit zwei Jahren über eine bestens asphaltierte Straße zu erreichen ist, war unser erstes Ziel.

Theth ist einer der bekanntesten Orte in den albanischen Alpen. Wobei dieser eigentlich nur mit geländegängigen Fahrzeugen über eine oft sehr schmale und steinige Naturpiste zu erreichen ist, trifft man dort, viele Touristen, vor allem Deutsche, Polen und Tschechen. Schon im Jahr 2005 hat man begonnen, dort den Tourismus auszubauen. Maßgeblich war dabei die GIZ (Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) beteiligt. Diese vergab verbilligte Kredite und schulte die Anwohner in Sachen Tourismus. So unterstützte man das Guesthouse-Projekt und legte unter anderem den Grundstein für Wanderwege wie den „Peaks of the Balkans“, einem Weg über die Alpen im Dreiländereck Albanien, Montenegro und dem Kosovo. Auch einige kleine Natur-Campingplätze sind entstanden. Wir allerdings finden einen sehr schönen freien Stellplatz auf einer riesigen Wiese direkt am Fluss, 8km südlich von Theth Richtung „Blue Eye“. Diese gigantische Quelle erwanderten wir am nächsten Tag.

Doch bevor es nach Theth ging, zog es uns, natürlich wieder auf ungeteerter Piste, in ein Seitental der Cemit nach Vukel und Nikc. Eigentlich wollten wir dort wieder frei in der Natur stehen. Es dauerte aber nicht lange, bis sich drei 15 – 18-jährige Jungs zu uns gesellten. Einer der Dreien wollte mir eine Tüte selbst gesammelte Haselnüsse für 5 EURO verkaufen. Als ich verneinte hat er sie mir einfach geschenkt und uns zum Kaffee eingeladen und bei seinem Haus zu nächtigen. Da wir gerade angefangen hatten unser Abendessen zu richten und Brot auf dem Lagerfeuer zu backen, schlugen wir seine Einladung erst mal aus. Die zweite Einladung ein paar Stunden später, nahmen wir an. Was wir dann an diesem Abend an Gastfreundschaft erleben durften, übertraf alles, was wir je erlebt hatten. Zwei der Jungs lebten bei einer Familie mit zwei eigenen Kindern und den Großeltern. Wenn wir alles richtig verstanden haben, besteht das einzige Einkommen dieser Familie aus dem Verkauf von ein paar selbst produzierten Produkten, hauptsächlich Kartoffeln. Diese Menschen waren also richtig arm. Dennoch wurden wir an diesem Abend und am nächsten Morgen fürstlich mit eben diesen Produkten verköstigt. Trotz Verständigungsproblemen, dank googel und ein paar Brocken Englisch, erfuhren wir doch einiges über diese Menschen. Vor allem der junge Vater träumte von dem schönen und unbeschwerten Leben im reichen Deutschland. Wir konnten ihn nicht davon überzeugen, dass er eigentlich der „Reichere“ von uns allen war. Mit ein paar kleinen Dingen und etwas Geld als Geschenk verabschiedeten wir uns am nächsten Morgen von dieser wirklich liebenswerten und gastfreundlichen albanischen Familie. Noch wirklich vieles könnten wir reichen Deutsche von diesen armen Menschen lernen!

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