Dritte Woche Sardinien

 

Sa. 07.10.17

Weiter geht es zur Costa Rai, der Königsküste, wie sie im Reiseführer beschrieben wurde. Wir fahren entlang der Küstenstraße und genießen jeden Blick auf die wundervolle Bucht, sind aber erschrocken, was der Tourismus dort für Blüten treibt. Was von weitem noch aussieht, wie ein ganz normaler Ort, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als reine Touristenstadt. Oftmals um diese Jahreszeit gänzlich ohne Leben. Alle Eingänge verschlossen, Restaurants und sogar Supermärkte bis zur nächsten Saison im Winterschlaf. Fast schon gespenstisch. Sehr gut kann man sich vorstellen, welch ein Rummel hier im Hochsommer herrscht. Einen ruhigen Stellplatz fanden wir in einem Wäldchen beim Stagno Feraxi.

Der nächste Tag begann wie immer sonnig und für den Vormittag hatten wir uns den Besuch eines verfallenen Bergwerksdorfes aus den 1920er Jahren vorgenommen. Das verfallene Dorf mit all seinen Gebäuden war für uns wirklich sehenswert. Man schwelgt in vergangenen Zeiten und versucht sich vorzustellen, wie das Leben damals wohl gewesen sein mag. Die kleinen Häuschen mit den dunklen Räumen und offenen Feuerstellen erzählen ihre eigene Geschichte.

Zum Übernachten gings wieder zum altbewährten Strand bei Feraxi, wo wir den anderen Tag mit baden, lesen, faulenzen und Bilder bearbeiten verbrachten.

Offroaden in den Bergen war wieder mal angesagt. Ausgangspunkt war San Vito und es ging die meiste Zeit am Flumendosa entlang. Abends hatten wir Glück und fanden an einer Minibucht bei Fixi Lioni einen Stellplatz direkt am Strand. Diesmal kein Sand, sondern Kiesel. So war zur Abwechslung ein offenes Feuer kein Problem, an dem wir eine leckere Dorade grillten.

Am Dienstag war es wieder mal Zeit einzukaufen. Es stellte sich heraus, dass das in der Nachsaison gar nicht so einfach ist. Die meisten Supermärkte sind wie gesagt in dieser Gegend tatsächlich nur für Touristen gedacht und in dieser Zeit geschlossen. In Tertenia haben wir einen kleinen offenen Laden gefunden. Der Besitzer sprach perfektes Deutsch und schimpfte über die vielen Schwarzen auf Sardinien und die Politik. Mit Mühe entzogen wir uns diesem Gespräch, ohne unhöflich zu wirken und ab ging es in die Berge von Ogliastra.

Gairo Vecchio stand auf dem Programm, welches durch einen Erdrutsch zum Geisterdorf wurde. Nach einer kleinen Wanderung auf den Monte Perda Liane fanden wir in Sadali einen ruhigen Platz für die Nacht.

Auf’s Dach von Sardininen zog es uns, ins Massiv des Gennargentu mit einer Höhe von über 1800 Metern. Exakt sollte es der Bruncu Spina mit seinen 1829 Metern sein. Man glaubt es kaum, dort wird im Moment an einem Skilift gebaut. Wer denkt denn bei Sardinien schon an Schnee? Die Nacht war klar und frisch und der Sonnenaufgang von hier oben nochmals beeindruckender.

Auf dem Weg zum Foresta di Montes, einem recht großen Forsthaus, erlebten wir die glücklichsten Schweine. Die ganze Gegend wimmelte von Tieren, die bei uns meist in tristen Ställen hausen. Was für ein Leben! Für diese Schweinchen selbstverständlich und sie zollten uns nicht halb so viel Aufmerksamkeit wie wir ihnen.

Als Übernachtungsziel steuerten wir Orgosolo an, ein echtes „Banditendorf“, welches durch seine Wandmalereien weltweit bekannt wurde. Beim abendlichen Bummel durch die Gassen bekamen wir einen Eindruck davon, dass es sich bei den Menschen (vor allem den Männern) sowohl in Optik als auch Mentalität um einen ganz besonderen Schlag handelt.

Durch die Berge des Supramonte ging es zum letzten Ziel dieser Etappe, dem Gola Su Gorruppu. Den Nachmittag verbrachten wir unter lauter Wanderern und Kletterern in beeindruckender Bergkulisse. Die Nacht war ruhig und für den nächsten Morgen planten wir eine größere Wanderung.

 

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