Marokko – Woche zwei

Mo. 08.04.2019: Essaouira, mit seinen 85 000 Einwohnern, ist eine Stadt der Gegensätze. Auf der einen Seite der Hafen mit seinem rustikalen Treiben und gewöhnungsbedürftigen Gerüchen und auf der anderen die sehr gepflegte Innenstadt mit Teehäusern und gehobenen Restaurants. Seit 2001 ist die Medina (Altstadt) Teil des UNESCO Weltkulturerbes. Nach einem entspannten Vormittag auf dem Campingplatz erkundeten wir die Stadt nochmals auf eigene Faust und genossen am Abend das feudale Menü in einem der besseren Restaurants.

Di. 09.04.2019: Über die kurvenreiche P2201 und N1 entlang der unzähligen Arganbäumen, die nur im Südwesten von Marokko zu finden sind, erreichten wir den Campingplatz bei Taghazoute. Auf der Strecke sahen wir endlich auch einmal Ziegen, die aus eigenem Antrieb in die Bäume kletterten um das schmackhafte Blattwerk der Arganbäume zu vertilgen. In Tamri, dem Bananendorf, deckten wir uns mit den dort wachsenden und besonders süß schmeckenden Bananen und Papayas ein.

Kaum auf dem Campingplatz angekommen, bekamen wir die Dienstleistungen von einem Künstler und einem Automonteure angeboten. Der Künstler verschönerte die Womos mit marokkanischen Bildern und der Monteure reparierte Autos. Nach ein paar Stunden waren die Karosserieschäden zweier Fahrzeuge behoben und einige Wohnmobile bemalt. Unglaublich welches Talent Marokkaner an den Tag legen, wenn es ums Geldverdienen geht.

Habt ihr schon mal Hummer gegessen und selbst zubereitet? Da ich das noch lebende Tier nicht kochen sondern auf Holzkohle grillen wollte, musste ich es zuerst durch einen beherzten Schnitt ins Genick töten. Ehrlich gesagt hat mich das schon etwas Überwindung gekostet. Dafür wurde ich aber durch ein köstliches Abendessen belohnt.

Mi. 10.04.2019: Den heutigen Tag verbrachten wir mit Nichtstun, Bilder sortieren und Tagebuch schreiben.

Do. 11.04.2019: Gut ausgeruht starteten wir früh morgens zu unserer heutigen 180 km langen Strecke. Das Ziel soll einer der schönsten Stellplätze in Marokko sein – lassen wir uns überraschen.

Ab Agadir verließen wir nun endgültig den Atlantik in Richtung Süd-Osten. Der Weg führte uns durch die karge Gegend des Antiatlas. Außer den immer wieder auftauchenden Arganbäumen ist wenig Vegetation zu sehen. Und plötzlich hatte ich das Gefühl wirklich in Marokko zu sein. Steinig, karg und rot.

Etwa 50 km vor Tafraoute, unserem heutigen Ziel, besichtigten wir das alte, kreisrunde Wehrdorf Tizourgane. In Tafraoute angekommen trauten wir unseren Augen nicht. Ein riesiger Stellplatz unter hunderten von Palmen umrahmt von in der Abenddämmerung rot glühenden Felsen soll unser Domizil für zwei Tage sein.

Fr. 12.04.2019: Heute hatten wir volles Programm. Am Vormittag erwanderten wir auf einem Berberpfad die imposante Granitlandschaft. Nach nur einer Stunde Pause brachte uns ein Taxi zu den „Blauen Felsen“ des belgischen Künstlers Jean Vérame. Er bemalte, besser gesagt besprühte in den 1980ern vereinzelte Felsen hauptsächlich mit der Farbe blau. Ein Zeichen des Friedens wollte er damit setzen. Weiter ging es mit dem Taxi, das übrigens in Marokko recht günstig ist, zu einer Argan-Kooperative. Dort bestaunten wir die Produktion von Arganöl. Hier haben sich Frauen zusammen getan und knacken den ganzen Tag Arganfrüchte bzw. -nüsse von Hand für die Produktion von Öl. Selbst das anschließende Mahlen der Nüsse wurde bis vor Kurzem noch von Hand gemacht. Zwischenzeitlich übernimmt diese Arbeit eine elektrisch angetriebene Ölmühle. So versteht man auch, dass dieses Öl pro Liter ca. 100 € kostet. Mit Hassan schlenderten wir abschließend durch die unzähligen Schuhmacherwerkstätten, für die Tafraoute bekannt ist.

Sa. 13.04.2019: Nach den vielen Asphaltstrecken hatte ich Heute vor, meinen Landy einmal etwas artgerechter einzusetzen. Deshalb setzte ich mich von der Gruppe ab und fuhr alleine eine einsame und staubige Piste durch die Ausläufer des Aantiatlas. Fast gleichzeitig mit den anderen erreichte ich den Campingplatz in Amtoudi. Nach einer kleinen aber steilen Wanderung zu einem nahegelegenen Agadir (Speicherburg) ließen wir den Tag mit einem gemeinsamen Tajine-Essen ausklingen.

So. 14.04.2019: Einige unserer Gruppe nutzten die morgendliche Kühle und wanderten zu einer knapp zwei Kilometer entfernten Quelle. Traumhaft war der Weg durch den von Palmen gesäumten Weg. Dort angekommen wunderten wir uns, wo dieses viele Wasser seinen Ursprung hat, wo es doch in dieser Gegend seit vier Jahren nicht mehr geregnet hat.

Heute war noch ein besonderes Ereignis. Wir waren bei Hassan und seiner Familie eingeladen. Wie wir erfahren haben, waren wir die ersten Touristen in diesem Dorf. Genau so war auch der Aufruhr, den wir mit unseren Womos verursachten. Besonders die Kinder hatten ihre Freude an uns. Nach dem Begrüßungstee zeigte Hassan uns das Haus seiner verstorbenen Schwiegereltern, in welches wir eingeladen waren und anschließend die Gärten in denen die Bewohner des Dorfes Kräuter und Getreide anbauen. Auch dort wunderten wir uns über das in Rinnen gefasste Wasser in der ansonsten staubtrockenen Gegend. Der Höhepunkt des Tages erlebten wir bei einem gemeinsamen Couscous-Essen, welches die Frauen extra für uns in stundenlanger Arbeit zubereitet hatten.

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