Reisetagebuch einer Schwedenreise 2021 – Teil 1

Zwei Gründe gab es für mich, dieses Jahr für eine längere Zeit nach Schweden zu reisen.

Zum einen ist es ein guter Ersatz für den Corona-bedingten Ausfall der letztjährigen Norwegenreise und zum anderen scheinen mir die Schweden den akzeptabelsten Umgang mit der Virussituation haben. Davon wollte ich mich selbst überzeugen.

In diesem Tagebuch schildere ich, weniger mit Worten als mit Fotos, meine Erlebnisse:

Di. 01.06.2012

Die Fähre startete ab Rostock pünktlich um 8:30 Uhr nach Trelleborg. Bei bewölktem Wetter traf sie nach 6-stündiger Überfahrt in Schweden ein. Voraussetzung für die Einreise verlangten die schwedischen Behörden, im Gegensatz zu den meisten anderen europäischen Länder, nur einen einfachen Schnelltest. Diesen lies ich einen Tag vorher in einer Rostocker Apotheke machen.

In Trelleborg versucht ich erfolglos eine schwedische SIM-Karte zu bekommen.

Die erste, leicht verregnete Nacht, verbrachte ich auf Höhe von Malmö beim Schloss Torup.

Mi. 02.06.2021

Im Malmö hatte ich in einem Elektrofachmarkt (Elgiganten) die Chance eine schwedische SIM-Karte zu bekommen. Mein Ziel ist es zunächst in den hohen Norden von Schweden zu fahren, zumindest zum Polarkreis.

Auf dem Weg nordwärts kam ich nach Ladonien, einer von einem Künstler ausgerufenen, unabhängigen Republik mit seinen aus Treibholz gefertigten Holzskulpturen Nimis und Arx. Interessante Geschichte zu der man im Internet nähere Infos findet.

Den restlichen Tag verbrachte ich bei schönstem Wetter und die Nacht an einem See unweit von Laholm.

Do. 03.06.2021

Da es in Mellbystrand einen Strand gibt, den man offiziell mit einem Fahrzeug befahren kann, drehte ich dort kurzerhand eine Runde über den Sand. In Ullared, dem weltgrößten Supermarkt, kaufte ich ein paar Dinge ein und bezog danach mein Nachtquartier am See Stora Hornsjon.

Übrigens Einkaufen geht in Schweden ohne Maske und Test. Fast nichts deutet auf eine Pandemie hin. Das Leben ist so gut wie nicht eingeschränkt.

Fr. 04.06.2021

Zwischenzeitlich nördlich von Göteborg übernachtete ich an einer lauschigen Stelle zwischen dem See Haltesjön und Alevatten.

Sa. 05.06.2021

Alle kostenlosen Fähren in Schweden haben die Farbe gelb. Mit so einer Fähre setzte ich über auf die Insel Malmon im schönen Bohuslän. Dort am südlichen Zipfel verbrachte ich den Tag und die Nacht.

So. 06.06.2021

Heute am Sonntag besichtigte ich den Ort Smögen. Er besticht durch seine mit bunten Fischerhütten gesäumte Smögenbryggan, einem ca. ein km langen Holzsteg. In den Sommermonaten als Partymeile bekannt, zeigte sich der Ort Anfang Juni noch ziemlich beschaulich. Außer einem Musikclub, der brechend voll mit jungen Leuten war. Und das, wo Deutschland gerade mal anfing Geschäfte unter strengsten Bedingungen wieder zu öffnen.

Mo. 07.06.2021

Weiter entlang der Scherenküste in Bohuslan Richtung Norden.

Di. 08.06.2021

Schon früh morgens besichtigte ich den Wasserfall Älgafallet an der norwegischen Grenze. Mein eigentliches Tagesziel hatte ich mit dem Tresticklan Nationalpark im westlichen Dalsland erreicht. Bei einer Wanderung durch das größte unerschlossene Waldgebiet Südschwedens genoss ich vor allem die ungewohnte Ruhe.

Mi. 09.06.2021

Auf das heutige Ziel freute ich mich besonders. Ebenfalls nahe der norwegischen Grenze, in Bastnäs, soll es einen alten Autofriedhof geben. Ich staunte schwer, als ich all die alten Autowracks, an die tausend sollen es sein, im Wald aufgestapelt liegen sah. Mindestens drei Stunden verbrachte ich damit, die Raritäten aus den 1950er bis 1970er Jahren zu fotografieren.

Do. 10.06.2021

Bei Charlottenberg stieß ich auf den TET, den Trans-Euro-Trail. Der TET ist eine Route aus unbefestigten Straßen quer durch ganz Europa. Die Gesamtlänge beträgt über 51000 km, der schwedische Teil 2841 km. Eigentlich sind diese Strecken für Motorräder gedacht. Da diese aber in Schweden recht moderat sein sollen, habe ich vor, diesem Trail ein größeres Stück zu folgen. Der TET führt meist durch einsame Natur, in der es viel zu entdecken gibt.

Fr. 11.06.2021

Weiter folge ich dem TET Richtung Norden. Die Nacht verbringe ich auf einem größeren aber dennoch sehr natürlichen Parkplatz bei einem Wasserfall.

Sa. 12.06.2021

Die Natur überbietet sich von Stunde zu Stunde. Ich entdecke viele einmalig gelegene Stellplätze in fast unberührter Natur. An jedem würde es sich lohnen zu bleiben.

So. 13.06.2021

Leider an einem Sonntag, stoße ich auf einen weiteren Nationalpark. Der Fulufjäll liegt auf meinem direkten Weg nach Norden. Dazu habe ich den nun nach Osten abzweigenden TET vorläufig verlassen. Im Park erwanderte ich die drei Sehenswürdigkeiten. Den höchsten Wasserfall Schwedens, namens Njupeskär, das Fjäll selbst und den ältesten Baum der Welt, genannt Old Tjikko. Eine gute Entscheidung war es, die Wanderung schon früh am Morgen zu machen. Als ich gegen 13 Uhr wieder am Parkplatz ankam, hatte sich die Anzahl der Autos und somit der Menschen vervielfacht.

Mo. 14.06.2021

Im Internet las ich von einem Zauberweg im Naturreservat Städjan-Nipfjället. Durch eine optische Täuschung soll man dort den Eindruck haben, dass ein Fahrzeug den Berg hinauf rollt. Die Straße dort nennt sich Trollvägen oder eben Zauberweg. Dort angekommen befolgte ich die drei Punkte auf dem extra angebrachten Schild: 1. Anhalten, 2. Leerlauf einlegen und 3. den Wagen rollen lassen. Wie erwartet bewegte ich mich mit samt dem Fahrzeug rückwärts in die Richtung, aus der ich gekommen bin, also den Berg hinunter. Wie auch sonst? Wo soll jetzt die Täuschung sein? Ich stieg aus und betrachtete mir die Umgebung, konnte aber nichts Außergewöhnliches feststellen. Vermutlich stand mir hier mein Kopf mal wieder im Weg.

Dafür gab‘s eine ganz reelle Wanderung zum Lillnipen und die ersten echten Rentiere am Wegesrand.

Di. 15.06.2021

Auf die heutige Strecke freute ich mich besonders. Die höchste Passstraße Schwedens, der Flatruetvägen. Diese Straße verbindet die beiden Ortschaften Funäsdalen und Ljungdalen in der Provinz Jämtland. Bei 4° Außentemperatur und eisigem Wind fiel der Fotospaziergang allerdings nur sehr kurz aus. Ich zog es vor, die gigantische Natur aus dem Fahrzeug zu betrachten.

Als Übernachtungsstelle wählte ich einen Platz am Rande eines ehemaligen Militärgeländes in der Nähe von Östersund.

Mi. 16.06.2021

Mein nächstes Ziel, der Vildmarksvägen, beginnt in Strömsund. Dies war am schnellsten auf der E45, dem sogenannten Inlandsvägen, zu erreichen. So verzichtete ich heute auf geschotterte Wege und düste auf Asphalt gen Norden. Der Vildmarksvägen, der auch Wildnisstraße genannt wird, verläuft bis ins südliche Lappland und endet nach ca. 350 km bei Vilhelmina.

Wegen des momentan nicht ganz so guten Wetters, beschloss ich die Tour erst am nächsten Tag zu fahren. Den Rest des Tags verbrachte ich mit der Beschaffung und Zubereitung meines Abendessens.

Do. 17.06.2021

Auf gut ausgebauter Asphaltstraße kam ich auf dem Vildmarksvägen zügig voran. Ich besichtigte den einen und anderen Wasserfall, wanderte eine kurze Strecke, aber ein Gefühl von Wildnis kam bei mir nicht so richtig auf. Da war ich andere Strecken gewohnt. Wild wurde es erst kurz vor meinem heutigen Etappenziel, dem Stekenjokk. Diese grandiose Hochebene liegt auf knapp 900 m an der Grenze zu Lappland.

Fr. 18.06.2021

Nach einer entspannt ruhigen Nacht, ging es am frühen Vormittag stets bergab in Richtung Vilhelmina. Auch die zweite Hälfte des Vilmarksvägen verdiente nicht das Prädikat „Wildnisstraße“. Sehenswert sind die alte samische Ansiedlung Fatmomakke, sowie der angeblich schönste Wasserfall Schwedens, der Trappenstegsforsen und der Dimforsen.

Sa. 19.06.2021

Die E45, der Inlandsvägen, brachte mich dem Polarkreis wieder ein gutes Stück näher. Bei Sorsele errichtete ich an einem traumhaft schönen Platz mein heutiges Lager. Ich nutzte die Gelegenheit des kristallklaren Sees zum Auffüllen meines Wassertanks, zum Wäsche waschen und zum „Duschen“. Perfekter kann‘s nicht sein.

So. 20.06.2021

Weil‘s so schön war, verweilte ich einen weiteren Tag an diesem wundervollen Ort.

Mo. 21.06.2021

Rein rechnerisch ist heute die Sommersonnenwende auf der Nordhalbkugel. Das Midsommar-Fest in Schweden fällt dieses Jahr auf den 25. und 26. Juni. Bis zu diesem immer an einem Freitag und Samstag zwischen dem 20. und 26. Juni stattfindenden Fest, möchte ich am Polarkreis sein.

Bei strömendem Regen und entsprechend aufgeweichten Pisten strebte ich heute diesem Ziel entgegen. Da bis dahin noch genügend Zeit ist, mache ich einen Abstecher zum Nationalpark Pieljekaise. Dort möchte ich morgen bei vorhergesagt schönem Wetter den gleichnamigen Berggipfel besteigen.

Das schöne Wetter kündigte sich schon am frühen Abend an, so dass ich mir bei stimmungsvollem Licht den Ort Jäkkvik, in dem ich heute übernachte, besichtigte.

Di. 22 06.2021

Bei leider doch nicht so gutem Wetter machte ich mich auf den Weg zum 1133m hohen Pieljekaise. Die Strecke beträgt ca. 14 km hin und zurück, überwindet in etwa 700 Höhenmeter und verläuft ein Stück weit auf dem Fernwanderweg Kungsleden entlang. Bei eisigem Wind erreichte ich zwei Stunden später den Gipfel. Pünktlich zur Gipfelerklimmung riss endlich die Wolkendecke auf und die Sonne übernahm die Oberhand für den Rest des Tages.

Einen Übernachtungsplatz suchte ich mir in der Nähe von Arjeplog.

Mi. 23.06.2021

Nach der doch etwas anstrengenden Wanderung gestern, wollte ich es heute etwas lockerer angehen. In 2 Stunden war ich über auf dem gut ausgebauten Inlandsvägen (E45) in Arvidsjaur und suchte mir dort, wie gewohnt idyllisch ein Plätzchen am See.

Do. 24.06.2021

Heute wurde mir wieder klar, wie wichtig doch ein Ort ist, um wirklich glücklich zu sein, gerade in der momentanen Zeit.

Hier am Trollforsen, einer der größten Stromschnellen Europas, passte wirklich alles. Für mich der passendste Orte meiner bisherigen Reise in Schweden.

Fr. 25.06.2021

Mein Ziel, an den Polarkreis zu kommen, habe ich heute erreicht, sogar rechtzeitig zum schwedischen Mittsommerfest. Mittsommer ist dieses Jahr zwar erst morgen aber gefeiert wird heute am Freitag, traditionell am Abend vor Mittsommer. Allerdings habe ich davon hier in Jokkmokk nicht viel mitbekommen.

Für mich stellt sich nun die Frage, wie geht meine Reise weiter. Auf Empfehlung eines Paares, die im Moment ebenfalls mit einem Sprinter Schweden bereisen, nehme ich mir für morgen eine Wanderung zum Muddusfallet vor.

Sa. 26.06.2021

Der Muddus Nationalpark liegt in etwa 30 km nordwestlich von Jokkmokk. Da heute Wochenende und auch noch Feiertag ist, beschloss ich die Wanderung frühzeitig zu beginnen. Pünktlich um 10 Uhr startete ich meine Wanderung zum Wasserfall Muddusfallet. Auf einfachen Wegen durch gigantischen Wald, erreichte ich das Ziel nach zwei Stunden. Da mir der Rundweg zu weit war, nahm ich den selben Weg zurück. Vier Stunden Waldbaden am Stück. Was kann es schöneres geben.

So. 27.06.2021

Ich tendiere nun doch dazu, weiter in den Norden zu fahren. Bei Temperaturen zwischen 15° und 20° steuere ich gemütlich Richtung Nationalpark Stora Sjöfallet. Doch zuvor schaue ich mir in Porjus Schwedens größtes Wasserkraftwerk an. Was so ein Vorhaben mit der Natur anrichtet, sieht man am Harsprängsfallet, bzw. dem was von ihm noch übrig geblieben ist. Einst eine der mächtigsten Stromschnellen Schwedens und nun eine karge Felsenlandschaft.

Im NP Stora Sjöfallet informiere ich mich im Naturum Laponia über die Kultur er in den Nationalparks lebenden Samen. Laponia ist übrigens UNESCO-Weltnatur- und Weltkulturerbe sowie der schwedische Teil Lapplands und Teil Europas größter, weitgehend unbeeinflusster Wildnis.

Als Übernachtungsplatz suche ich mir eine Stelle am für die Wasserkraft aufgestauten Lule älv.

Mo. 28.06.2021

Die längste Sackgasse in Schweden verläuft von der E45 Nähe Porjus bis nach Ritsem,140km durch den NP Stora Sjöfallet. Die restlichen 44km von meinem Stellplatz bis Ritsem absolvierte ich am heutigen Vormittag.

Wieder zurück, wanderte, bzw. spazierte ich auf neu gelegtem Holzbohlenweg zum Stora Sjöfallet, den ebenfalls durch die Wasserkraft in Leidenschaft gezogenen Wasserfall.

Di. 29.06.2021

Schon seit einigen Tagen suchte ich nach einem Ort, an dem ich die Mitternachtssonne beobachten kann. Durch einen Tipp erfuhr ich von einem ca. 800m hohen Berg, dem Dundret. Er bildet den Gipfel eines bei Gällivare gelegenem Skigebietes. Auf einem Parkplatz richtete ich mich ein, wanderte etwas in der Gegend und bestaunte um Mitternacht die nicht untergehende Sonne.

Mi. 30.06.2021

Heute habe ich mich entschieden, nicht Nach Abisko zu fahren. Dieser Nationalpark macht nur nur in Verbindung mit Norwegen Sinn. Das verschiebe ich auf eine andere Reise.

Also führt mich mein Weg weiter in Richtung finnische Grenze.

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