Reisetagebuch Spanien 2019 /2

9. Woche

Mo. 23.12.2019

Ich dachte mir, dass ich Heilig Abend in Almería verbringen werde. Deshalb fuhr ich heute weiter in diese Richtung. Fast die ganze Strecke ging es durch das über 300 qkm große Plastik-Meer. Eine zusammenhängende Fläche aus abertausenden von Gewächshäusern. Der selbst aus dem Weltall zu sehende Gemüse- und Obstgarten Europas produziert jährlich Millionen von Tonnen Tomaten, Paprika, Gurken usw. Ein Großteil wird nach Deutschland exportiert. Wenn man die Machenschaften hinter diesen Plastikwänden genauer betrachtet (s. Google und youtube), vergeht einem der Appetit auf frisches Gemüse aus dieser Region.

Di. 24.12.2019

Heilig Abend und nichts deutet darauf hin. Bei Temperaturen über 20°, einem phantastischen Stellplatz der an die Karibik erinnert und einem Blick aufs blaue Meer, fällt es mir wahrlich schwer in Weihnachtsstimmung zu kommen. Egal, deswegen bin ich auch nicht hier. Eigentlich wollte ich diesen Tag, bzw. Abend direkt in Almería verbringen. Mein Karibikstrand lies mich aber noch nicht los. Mal sehen was morgen ist.

Mi. 25.12.2019

1. Weihnachtsfeiertag. Heute endlich geht’s nach Almería. Leider gibt es keinen schönen und gleichzeitig zentral gelegenen Stellplatz in dieser Stadt. So steuerte ich einen kostenpflichtigen (6,50€/24h) Parkplatz im Fährhafen an. Nicht besonders romantisch aber nur wenige Minuten vom Stadtzentrum entfernt. Ich machte zwei Durchgänge durch die Stadt. Beim ersten am frühen Nachmittag dachte ich, die Stadt ist ausgestorben. Was sich aber nach Einbruch der Dunkelheit schlagartig änderte. Mein Parkplatz füllte sich innerhalb von Minuten und die Stadt schien aus allen Nähten zu brechen. Ganz Almería war auf den Beinen.

Do. 26.12.2019

2. Weihnachtsfeiertag, aber nicht in Spanien. Heute herrscht wieder geschäftiges Treiben. Gut so, denn meine Vorräte gehen schon wieder zu Neige. Ich schaffte gerade mal 16 km. Das Wetter ist zu schön, als dass ich die Zeit mit Fahren verbringe. In El Toyo blieb ich hängen.

Fr. 27.12.2019

Ich hatte eigentlich vor, auf einer Piste entlang der Küste Richtung Cabo de Gata zu fahren. Der Weg wäre durch mehrere Ramblas (meist trockenes Flussbett), gegangen. Die erste war kein Problem. Bei der zweiten stoppte mich ein Spanier wild gestikulierend. Er machte mir verständlich, dass ich hier nicht durchkomme. Ich stoppte den Sprinter und schritt mit ihm zusammen den Weg durch diese Rambla ab. Er hatte Recht. Auf asphaltierter Straße errichte ich San Miguel de Cabo de Gata nur wenige Kilometer später.

S0. 29.12.2019

San Miguel de Cabo de Gata scheint ein bekannter Spot für Wohnmobile und Vans zu sein. Ich gesellte mich zu den mindestens 25 Campern und suchte mir einen für mich passenden Platz. Hier verbrachte ich drei Tage und zwei Nächte. Von hier aus hatte ich nun auch die Möglichkeit zum Cabo de Gata zu gelangen. Die nordöstliche Piste über Playa de Monsul war ja gesperrt. Am Samstag war ich zeitig am Kap und genoss die noch herrschende Ruhe des aus dem Vulkanismus entstandenen Ortes.

10. Woche

Mo. 30.12.2019

Heute Morgen war der strahlende Himmel und das schöne Wetter verschwunden. Da ich eigentlich wieder in die Berge wollte, passte das gar nicht in meinen Plan. Über meine Wetter-App schaute ich, wo es noch am schönsten ist. Es war in El Toyo, meinem heimlich liebgewonnenen Platz. Ok, dann halt wieder 15km zurück. Es hat sich gelohnt, wenigstens am Nachmittag löste sich die Wolkendecke fast vollständig auf.

Di. 31.12.2019

Unglaublich, laut Wetter-App soll das Wetter in den Bergen besser sein, als an der Küste. Das passt wieder hervorragend. Am späten Nachmittag machte ich mich auf den Weg ins 25km entfernte Nijar. Hier verbrachte ich den Silvesterabend. Für mich ein Abend wie jeder andere, außer, dass ich den Jahreswechsel miterleben wollte. Mich interessierte natürlich wie in Spanien Silvester gefeiert wird. Wenn sie auch sonst so temperamentvoll sind, die Spanier, so haben sie dieses Temperament an Silvester verloren – zumindest an diesem Ort. Nur in der Ferne hörte ich ein paar wenige Knaller.

Mi. 01.01.2020

Die Wetter-App hatte recht behalten. Für mein Vorhaben, die Sierra Alhamilla zu überqueren, könnte das Wetter nicht besser sein. Auf wikiloc suchte ich mir eine Strecke mit entsprechendem Anteil an nicht asphaltierten Wegen. Von Nijar ging es über Huebro nach Turrillas. Kurz vorher machte ich noch einen kurzen Abstecher auf den 1387m hohen Colativi. Von hier aus sah man perfekt, wie die Wolkendecke immer noch über der Küste, bzw. dem „Plastikmeer“ hängt. Über Lucainena de las Torres erreichte ich die N-340A, die mich in wenigen Minuten erneut in die Gegend von Tabernas brachte – des Wetter wegens.

Do. 02.01.2020

Heute morgen lag ein dichter Nebel über der ganzen Gegend. Schade, wollte ich doch hier noch einen Tag verbringen. Also machte ich mich wieder auf den Weg zur Küste. Sorbas besichtigte ich ebenfalls im Dunst. Durch Zufall las ich im Internet, dass es in der Gegend ein altes Mühlendorf gibt, dass von jungen Menschen als Ökodorf genutzt wird. Los Molinos de Rio Aguas liegt unweit von Sorbas entfernt. Ich war begeistert, mit welcher Hingabe die Bewohner dieses ehemalige Ruinendorf umgestaltet haben. Mein Ziel für heute war aber die ehemalige Goldmine bei Rodalquilar.

Fr. 03.01.2020

Sieht man die riesigen Löcher in der Erde, versteht man was Goldrausch bedeutet. Durch Zufall hat man im Jahr 1864 in Rodalquilar Gold entdeckt. Die Anfänge der Mine gehen aber auf das 16. Jahrhundert zurück, wo man dort Alaun gefunden und abgebaut hat. Ab 1956 wurden täglich 600 Tonnen Erz verarbeitet. 1990 wurde die Mine wegen fehlender Rentabilität geschlossen. Rentabel ist Mine, wenn pro Tonne abgebautem Gestein 7 Gramm Gold enthalten sind. In Rodalquilar waren es nur 5 Gramm.

S0. 05.01.2020

Die letzten beiden Tage habe ich genutzt um im Park Cabo de Gata mal hier und mal dort zu sein. Ich erwanderte die Strände Cala de los Tores mit seinem schwarzen Gestein sowie den wunderschönen und riesengroßen Playa de los Genoveses. Besonders reizvoll fand ich die kleinen und authentischen Fischerdörfer Los Escullos und La Isleta del moro und das etwas größere San Jose.

11. Woche

Mo. 06.01.2020

Durch Zufall konnte ich gestern Abend die weihnachtliche Bescherung der spanischen Kinder miterleben. Diese ist ist hier, nicht wie bei uns am Heiligabend, sondern am 5. bzw. 6 Januar. Mit viel Tam Tam und lauter Musik wurden die Kinder auf dem Dorfplatz von den Heiligen Drei Königen beschenkt.

Mi. 08.01.2020

Meine letzten Stationen waren La Isleta del moro, Las Negras, Cala del Plomo und Agua Amarga. Die Gegend ist zu schön um rasch voran zu kommen. Meine Etappen der letzten Tage betrugen gerade mal 10 km. Ich fahre die Strecke ja nun zum zweiten Mal. Jetzt von West nach Ost. Einiges kannte ich schon, entdecke aber immer wieder Neues, vor allem beim Wandern.

Do. 09.01.2020

Neu war für mich auch die Rambla de la Granatilla am Rande des Nationalparks Cabo de Gata. Dort soll es einen einsamen Platz direkt am Meer geben. Der Weg dorthin führt durch das genannte, ausgetrocknete Flussbett. Die Fahr zum Meer und der Ort waren beeindruckend, bei schlechtem Wetter allerdings auch sehr gefährlich. Eine Gedenktafel warnt in verschiedenen Sprachen vor diesem Ort bei Regen. Vor ein paar Jahren ist hier eine junge Frau ertrunken, weil sie von den Wassermassen aus den Bergen überrascht wurde. Sehr betroffen von diesem Vorfall zog ich es vor, doch lieber in Mojacar auf einem Parkplatz zu nächtigen.

Fr. 10.01.2020

Zwischenzeitlich habe ich den Naturpark Cabo de Gata endgültig verlassen. Und prompt nimmt auch wieder die Bebauung zu. Riesige Industrieanlagen und touristischen Einrichtungen beherrschen nun das Bild. Cuevas del Almanzore soll der Ort mit der höchsten Durchschnittstemperatur in Spanien sein. Außer dem Castillo und der bunt bemalten Staumauer des Rio Almanzora hat es allerdings nichts zu bieten. Eventuell die Höhlenwohnungen (cuevas) aus vergangener Zeit, die ich allerdings nicht besuchte. Weiter ging es ans Meer bis nach Villaricos.

Sa. 11.01.2020

Um wieder etwas Piste zu fahren zu können, wählte ich nicht die Küstenstraße, sondern einen kleinen Umweg in die nahe gelegenen Miniberge. Nicht viel aber wenigstens ein paar Kilometer. Dort fand ich auch ein paar lost places, die ich durchstöberte und fotografierte. Für die Nacht fuhr ich wieder zurück ans Meer nach San Juan de los Terreros.

12. Woche

Mo. 13.01.2020

In Aguillas gibt es eine Tankstelle, die sich voll und ganz auf Wohnmobile eingestellt hat. Von der Ver- und Entsorgung, dem Befüllen der Gasflaschen und einem eigenen Stellplatz gibt es hier auch eine Waschanlage für hohe Camper. Ich nutzte die Gelegenheit und befreite den Sprinter vom spanischen Staub. Einen Übernachtungsplatz fand ich heute bei Calabardina in der Nähe des Cabo de Cope.

Di. 14.01.2020

Ich hatte vor, einmal auf der legendären Ziegenwiese bei Mazarron zu übernachten. Leider war der Zugang durch einen Erdwall versperrt. Dennoch standen in der Umgebung und in der Schlangenbucht viele Camper. Ein Deutscher, der sich hier mit weiteren Überwinterern häuslich eingerichtet hat, bestätigte mir, dass der Besitzer seine Ziegenwiese vor 14 Tagen geschlossen hat. Ich fand am Strand etwas abseits einen tollen Platz für eine Nacht. Durch Gespräche mit den deutschen Überwinterern, habe ich viel Wissenswertes über diese Gegend erfahren.

Mi. 15.01.2020

Nach einem ausgiebigen Morgenspaziergang mit einem der Deutschen und seinem Hund, fuhr ich weiter zu einem dieser Tipps, einer Thermalquelle bei Saladillo 20 km landeinwärts. Dort traf ich eine bunt gemischte Aussteigerszene vor.

Fr. 17.01.2020

Nach zweimaligem Übernachten und ausgiebigem Bad in der heißen Quelle, hatte ich wieder das Bedürfnis nach etwas Abenteuer. Durch ein Bergbaugebiet steuerte ich den Playa de El Gorguel bei Portman an. Ein Strand, dem man sein Umfeld mehr als ansah. Der Sand dunkel wie Eisenerz und Behausungen, die nicht unbedingt auf Pauschaltourismus hindeuteten. Auch lag ein etwas komischer Geruch in der Luft. Spannend aber nicht gerade einladend. Ich zog es vor weiter nach La Manga, dem schmalen Landsteg zwischen Mittelmeer und der Salzlagune Mar Menor zu fahren.

So. 19.01.2020

Da für weite Teile Spaniens ein Sturmtief angesagt war, zog ich es vor, den Rest der Woche Kilometer in Richtung Nordosten zu machen.

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