Tour de France – Teil 2

01.06.2018
Aus Ermangelung an Sonnenstrahlen haben wir die Route des Cols Pyrenees vorzeitig in Richtung Foix verlassen. Nach einem abendlichen Spaziergang durch die Altstadt und einer entspannten Nacht machten wir uns auf zum bekannten und endlich sonnigen Carcassonne. Dort erwartete uns auf einem Hügel die beeindruckende historische Festung La Cite. Trotz der Bekanntheit hielten sich die Touristenströme Ende Mai noch in Grenzen. Altes Gemäuer, bunte Läden und Gaukler boten uns hervorragende Fotomotive.

Die Nacht sowie den nächsten Tag verbrachten wir in Homps zwischen Carcassonne und Narbonne am Canal du Midi unter Gleichgesinnten. Allerdings waren diese nicht wie wir im Womo auf der Straße unterwegs, sondern mit dem gemieteten Hausboot auf dem Kanal. Die Lebenseinstellung erschien uns aber die selbe zu sein wie die unsrige – dem gechillten Reisen ohne Stress.

Wir verlassen den Canal du Midi zwar ungern, freuen uns aber auch auf unsere nächste Etappe, die Cevennen. Erstmal geht‘s zu einem weiteren Grand Site, der Stadt Minerve und in die Schluchten der la Cesse und le Brian. In Minerve kommen wir gegen Abend an. Schon von weitem sieht man, dass sie sich eng an eine Felswand schmiegt. Unterhalb der Stadt schlängeln sich die beiden vorgenannten Flüsse.

In Roquefort erwartet uns schon der Duft nach würzigem Blauschimmelkäse. In sämtlichen Gassen in der Oberstadt wird man davon begleitet. Hier befinden sich auch die Höhlen, in denen der edle Käse hergestellt wird. Bei diversen Führungen, auch in die Originalhöhlen der Käseherstellung kann man sich einen Einblick darüber verschaffen, wie arbeits- und zeitintensiv diese ist. Selbstverständlich gibt es auch einige Läden, die sämtliche Produkte zur Verkostung und zum Verkauf anbieten.

Auf der Weiterfahrt kommen wir wie im letzten Jahr auf der Reise nach Spanien in den optischen Genuss der Hängebrücke von Millau. Unser Weg führt uns unter dem imposanten Bauwerk hindurch nach Peyre. Uns stellt sich wiedermal die Frage, wie solch eine Meisterleistung möglich war.

04.06.2018
Durch die Schlucht der Dourbie führt unser Weg über Lanuèjols über eine Hochebene zum Mont Aigoual. Die Schluchten der Dourbie sind geprägt von einer unvergleichlichen Landschaft. Vielleicht sind es die schlichten kleinen Dörfchen mit ihren Steinhäuschen, die entweder an den Fluß gebaut sind oder sich in oft schwindelnder Höhe an einen Fels schmiegen, oder es ist diese typische Landschaft mit vielen Maronen, viel Wasser und die sehr schwach besiedelt ist.

05.06.2018
Es geht weiter auf der fast baumlosen Hochebene Chause de Mejean. Unser Ziel ist Nimes de Vieux. Eine bizarre weitläufige Ansammlung von Felsbrocken, Felsnadeln und kleiner Höhlen. Das Gestein ist kalkhaltig und man findet deshalb fast nirgends Wasser. Dieses sickert durch den Fels und sammelt sich in den umliegenden Schluchten. Bei unserer Wanderung durch Nimes de Vieux
wird deutlich, dass diese Region maßgeblich von der Schafzucht dominiert wird. Wir sehen hier tatsächlich auch häufig Beaucerons bei den Schafen. Ihre imposante Erscheinung lässt vermuten, dass sie hier nicht nur als Hütehund ihre Arbeit tun, sondern auch dem Schutz der Schafe dienen.

Einige Kilometer weiter treffen wir in Le Villaret auf ein interessantes Projekt zum Erhalt des Przewalski-Pferdes. Dieses Urpferd ist heute meist in Zoos in kleinen Gruppen zu sehen und leidet sehr unter der damit einhergehenden Blutsverwandtschaft. In Frankreich gibt es das weltweit dritte Wiederansiedlungsprojekt dieser Tiere auf einer mehrere hundert Hektar großen Fläche. Hier besteht für Besucher die Möglichkeit, entweder mit einem Ranger zu den Pferden gefahren zu werden, oder zu wandern und auf eigene Faust Ausschau zu halten. Wir wählen letztere und hatten sogar Glück. In weiter Entfernung konnten wir tatsächlich eine Gruppe aus sieben Tieren entdecken. Mit dem Fernglas kein Problem, allerdings kam unsere Kamera doch etwas an ihre Grenzen. Trotzdem wollten wir diesen besonderen Moment festhalten.

06.06.2018
Wir bleiben noch ein bisschen auf den Hochplateaus und wechseln nur die Seite des Tals.
Auf der anderen Seite der Schlucht hat das Plateau ein völlig anderes Gesicht. Wie ihr Name „Chausse Noir“ schon vermuten lässt, sieht man hier viele Wälder, meist Kiefern. Auch hier besuchen wir wieder Felsformationen, aber diesmal völlig anderer Art. Montpellier de Vieux umfasst ca. 120 ha und wurde ursprünglich für eine verfallene Stadt gehalten. Heute steht ein Teil davon Touristen zur Verfügung. Man kann zwischen vier unterschiedlichen Besichtigungstouren wählen, die sich in Länge und Höhe unterscheiden. Es wird eine beeindruckende 1,5-stündige Wanderung, auf der man sich immer wieder auf „Balkonen“ in schwindelerregender Höhe wiederfindet, die einem imposante Blicke in die Schluchten ermöglichen, Wieder Mal wird deutlich, wie vergleichsweise klein wir Menschen eigentlich sind.

10.06.2018
Die darauffolgende Tour beginnt wieder in Millau und führt uns in die Schluchten des Tarn. Und damit zu meinem persönlichen Highlight der Schluchtentouren. Man möchte ständig anhalten, weil es immer wieder Interessantes zu sehen gibt. Es ist eine Aufeinanderfolge von besonders beeindruckenden Engstellen der Schlucht, über große Felsblöcke tosendes Wasser, eine Steinhäuseransammlungen an den unglaublichsten Stellen, deren einziger Zugang manchmal ein Seilzug über die Schlucht ist, diverse schmale Naturtunnel u.v.m. Man muss es einfach selbst gesehen haben. Auch für Nicht-Kajakfahrer lohnt sich ein Besuch auf jeden Fall.

Bei Le Pont-de-Montvert arbeiten wir uns die Spitzkehren hoch auf den knapp 1600 m hohen Mont Lozére. Wir haben noch nie so flächendeckend blühenden Ginster gesehen, dessen Duft uns auf der ganzen Fahrt begleitet. Oben angekommen überrascht uns das milde Klima in dieser Höhe. Ein netter Musher, der dort seine Schlittenhundestation hat, freut sich über unseren Defender und gibt uns begeistert ein paar Tipps bzgl. Offroaden zum Besten. Natürlich in Französisch Aber wen störts? In derart wichtigen Dingen versteht Mann sich einfach.
Und so führt die Fahrt ins Tal nicht etwa auf der erschütterungsfreien Straße bergab, sondern auf einer Holperpiste durch den Wald.

Relativ spät erreichen wir unseren Übernachtungsplatz in Génolhac. Dieses Örtchen möchte ich auch nicht unerwähnt lassen, weil es eine so schöne französische Atmosphäre, ohne touristischen Schnick-Schnack zu bieten hat, der man sich einfach nicht entziehen kann. Und so dauert der Bummel doch viel länger als geplant. Aber schließlich haben wir ja Zeit.

Wir rollen weiter an der Chassezac entlang. Auch hier gehts wieder durch eine Schlucht. Unser Ziel ist Ruoms an der Ardeche. Hier wird besonders deutlich, dass wir die Cevennen seit einiger Zeit verlassen haben. Die landwirtschaftliche Prägung ist dem Weinanbau gewichen und alles wirkt etwas weniger ursprünglich. Die Häuser sind moderner und viele möglichen Stellplätze sind durch Höhenbegrenzungen für Wohnmobile unzugänglich. Dafür gibt es umso mehr Campingplätze.
Wir beenden den zweiten Teil unserer Tour de France in Ruoms auf dem Camping municipal mit einem entspannten Tag und einer Flasche Geburtstagssekt.

2 thoughts on “Tour de France – Teil 2”

  1. Bon Jour
    Sehr schöne Bilder,denke immer noch an meinen Stevenson Weg.
    Sie haben die Fotos mit viel Liebe gemacht.
    Michel

    1. Hi Michel,

      danke für’s Kompliment. Frankreich ist einfach nur genial! Ich schau gleich mal was es mit dem Stevenson Weg auf sich hat.

      Viele Grüße,
      Peter

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