Tour de France – Teil 3

Den dritten Teil unserer Reise beginnen wir in Vallon-Pont-d‘Arc, dem Eingangstor zur Gorges d‘Ardeche. Es ist immer wieder schön, durch die Schlucht zu fahren. Allerdings hat sich in den letzten Jahren einiges verändert und leider nicht immer nur zum Guten. Die Vermarktung der Ardeche ist enorm. Die unzähligen Campingplätze, Kajak-Stationen und hochkomfortable neu gebaute Aussichtplätze oberhalb der Schlucht trüben die gigantische Natur.

Weiter gehts in die Provence und die ersten Lavendelfelder sind zu entdecken. Allerdings noch nicht in voller Blüte aber trotzdem schön anzusehen und vor allem zu riechen. Die vielen Lavendelfelder beginnen grade zu blühen und sind zusammen mit dem Klatschmohn ein Muss für jeden Fotografen. Wenn man das Fenster herunterkurbelt, ist man sofort umgeben vom Duft. Und in den vielen kleinen und größeren Ortschaften gibt es alles Mögliche zum Thema Lavendel anzuschauen, zu kaufen oder zu probieren.

In einiger Entfernung ist auch schon der Mont Ventoux mit seinen knapp 2000 m Höhe auszumachen. Er ist unser heutiges Ziel und so überwinden wir Höhenmeter um Höhenmeter. Immer in Gesellschaft von unzähligen Radlern, die so wiederum das Bild unserer persönlichen Tour de France unterstreichen. Kurz vor dem Pass empfängt uns eine fast mondähnliche Landschaft mit unglaublicher Aussicht.

13.06.18
Uns steht der Sinn danach, mal wieder eine Wanderung zu machen. Und genau hierfür bietet sich die Ockerfelsen-Landschaft bei Abt bestens an. Wir parken auf der Höhe und laufen erstmal einen Kilometer auf Waldwegen in das Gebiet hinein. So haben wir auch die Möglichkeit, die Felslandschaft von oben zu bewundern. Stellenweise fallen die Felsen sehr steil ab und sind durch Seile gesichert. Die Farbschattierungen des Ocker sind wunderschön. Sie reichen von gelb bis zu dunklem orange. Weiter gehts hinunter ins Tal, um sich alles an anderer Stelle nochmals von unten anzuschauen. Es ist eine tolle Landschaft und durch die besonderen Formationen und Farben der Felsen einfach sehenswert.

15.06.18
Inzwischen sind wir kurz vor dem Meer. Der Himmel ist wolkenlos und es zieht uns ans Meer. Auf unserem Plan steht die Route des Cretes ab Cassis. Auf der ganzen Strecke gibt es unzählige Parkmöglichkeiten, um die traumhafte Aussicht von steil abfallenden Klippen aufs Meer zu genießen. Toll ist auch, dass um diese Jahreszeit nicht viel los ist und man sich ganz in Ruhe dem Genuss dieser schönen Strecke hingeben kann.

Was allerdings danach kommt, ist weniger schön. Unser Defender quält sich durch aneinandergereihte, große und hektische Städte, durch Umleitungen vorbei an Baustellen. Immer wieder peilen wir Wohnobilstellplätze an, die dann doch keine sind. Falls wir mal einen Blick aufs Meer haben, können wir diesen nicht genießen, weil wir uns so auf den Verkehr und aufs Navi konzentrieren müssen. Mein Gott, wie hat man das nur früher gemacht? Ich kann‘s mir spätestens nach dem heutigen Tag nicht mehr vorstellen. Trotzdem gibt‘s noch ein Happy-End. Und wer hätte es gedacht – ein Stellplatz direkt am Meer… und die Garnelen plus Roséwein warten schon im Kühlschrank. Was will man mehr…

16.06.2018
Am anderen Morgen ist die Verlockung natürlich groß und es zieht mich gleich nach dem Frühstück zum Strand. Obwohl es Wochenende ist, hält sich die Besucherzahl in Grenzen. Das Wasser ist glasklar und hat schon eine angenehme Temperatur. So verbringen wir ein paar schöne Stunden am Meer, das auf mich jedes Mal aufs neue eine unglaubliche Faszination ausübt. Selbst mein heißgeliebter eBook-Reader bleibt ungenutzt auf dem Badetuch liegen. Mittags wird es dann aber doch recht voll und es ist Zeit weiterzufahren.

Sie Strecke führt uns an der Küstenstraße vorbei an St. Tropez bis nach Cannes. Der Abschnitt entlang des Esterelle-Gebirges, mit seinen roten Felsen, hat uns ganz besonders beeindruckt. Kurz danach schwenken wir ab ins Landesinnere Richtung Grasse. Offizielle Übernachtungsplätze habe wir auf der Strecke leider keine mehr gefunden, dafür aber einen „inoffiziellen“ in einem kleinen Ort, wo wir im Gegensatz zum Meer eine sehr ruhige Nacht verbrachten.

17.06.2018
Da heute Sonntag und der Trubel somit zu groß ist, lassen wir diesmal Grasse, die Stadt der Düfte links liegen. Wir fahren weiter ins Landesinnere und treffen bei Sospel auf die letzte Etappe unserer Reise, die Route des Grandes Alpes. Dieser berühmte französische Weg durch die Alpen verbindet die Region um den Genfer See mit der Cote d‘Azur und überquert dabei knapp 20 Alpenpässe. Mehrere Teilstücke bilden auch Etappen der echten Tour de France. Wir fahren diese Route in umgekehrter Richtung von Süd nach Nord.

18.06.2018
Den ersten Pass, den wir in den Seealpen überqueren ist der 1607m hohe Col de Turini. Diese kurvenreiche Strecke ist auch eine Etappe der Rallye Monte Carlo, wie auf der Passhöhe auf diversen Bildern zu sehen. Selten sind wir so viele Serpentinen am Stück gefahren. Das an den Hang gebaute Örtchen Roubion hat es uns mit seinen engen Gässchen und bemalten Haustüren besonders angetan, so dass wir in unmittelbarer Nähe unser Nachtquartier beziehen.

Endlich wieder 2 GB Datenvolumen und ordentliche Verbindung!

20.06.2018
Weiter geht es Richtung Norden. Vom Col du Vasson erblicken wir in selbiger Richtung mehrere 2800er. Diese erklimmen wir allerdings erst später. Da sich in ca. 30 km ein sehr schöner Womo-Stellplatz direkt am Fluss befindet, endet unsere heutige Etappe schon nach etwa einer Stunde Fahrt in Guillaumes.

21.06.2018
Von unserem Stellplatznachbarn bekommen wir den Tipp, uns unbedingt noch die Gorges de Daluis anzuschauen. Es handelt sich um eine ca. 8 km lange, imposantere Schlucht aus rotem Gestein. Der Weg führt uns durch 17 Naturtunnel und vorbei an einer Fußbrücke über die Schlucht, von der anscheinend schon Wagemutige am Gummiseil in die Tiefe gesprungen sind. Tief unten können fortgeschrittene Kajakfahrer auf der Vers ihr Können zeigen. Ansonsten ist die Schlucht erstaunlich wenig vermarktet und wirklich ein unverfälschter Genuss für Naturliebhaber. Hier nochmals ein Dankeschön an Franz und Amelie.

Die Landschaft, die wir am anderen Tag erleben, steht dem auf ganz andere Art in nichts nach. Wir fahren durch das Hochtal Claree und erleben bilderbuchschöne Berglandschaft, die alle Klischees erfüllt. Schneebedeckte Berge im Hintergrund, Wiesen mit unglaublichem Blütenreichtum in allen Farben, von wilden Azaleen gesäumte Bachläufe, Wasserfall und obendrauf noch strahlenden Sonnenschein.

24.06.2018
Wir folgen der Route des Grandes Alpes bis zum über 2700m hohen Col de l‘ Iseran, durch das Val de ´Isere bis zum Col des Aravis, von dem sogar die Mont Blanc-Gruppe zu sehen ist. Die Schönheit dieser Landschaften können nur Bilder beschreiben.

Der Col des Aravis wird unser letzter größerer Pass sein. Mit großen Schritten geht es Richtung Heimat. Eine Woche haben wir dazu noch Zeit. Die Berge werden flacher. Die Anzahl der Fotomotive und die Stimmung sinkt. Symptom eines zu Ende gehenden Urlaubs!? Wir trösten uns mit den sanften Höhen des französischen Juras. Diese sowohl auf der französischen wie auf der schweizer Seite, begleiten uns noch ein paar Tage.

29.06.2018
Der Jura ist gekennzeichnet durch schwache und sehr ländliche Besiedelung. Die markante Landschaft mit ihren oft einzeln oder in kleinen Gruppen stehenden riesigen Tannen auf unendlich großen Weideflächen ist herrlich. Sie ist durchzogen von unzähligen Wanderwegen auf denen man sich dem Himmel sehr nahe fühlt. Ein Ort, um die Seele baumeln zu lassen. Allerdings einer, den man das Sibirien der Schweiz nennt, mit bis zu -40 Grad im Winter.

Unser Ziel im Jura war eine seit 1960 bestehende Pferdestiftung. Sozusagen ein Pferdealtersheim an drei nicht weit voneinander entfernten Standorten. Hier werden ca. 150 alte Pferde bis zu ihrem Lebensende betreut. Das besondere ist, dass es sich die Stiftung zur Aufgabe gemacht hat, den Tieren ein möglichst freies und artgerechtes Leben zu bieten, was wirklich gelungen ist. Auf den riesigen Weiden kann man auf Tuchfühlung mit den Pferden gehen und so deren Gelassenheit und Frieden spüren.

10.07.2018
Zwischenzeitlich sind wir schon wieder über eine Woche Zuhause. Die letzten Urlaubstage möchten wir euch aber nicht vorenthalten.

Wir verbrachten diese Tage am Rhein. Wie wir fanden auch eine ganz nette Gegend mit all seinen Schleusen, Schiffen, Fähren und Kraftwerken. Allerdings etwas erschrocken waren wir, als wir vor Frankreichs ältestem Atomkraftwerk in Fessenheim standen. Beängstigend auch die Infos im Internet >>> http://www.bund-rvso.de/fessenheim-ausstellung.html. Wie bewusst einem doch eine mögliche Gefahr wird, wenn die sonstige Distanz nicht mehr besteht. Vorbildlich erschien uns dann das Wasserkraftwerk in unmittelbarer Nähe.
Dennoch fühlten wir uns sehr wohl, abgesehen vom Bewusstsein des zu Ende gehenden Urlaubs. Am letzten Abend gab’s nochmals guten Fisch in einem urigen Bootsrestaurant der uns diesbezüglich etwas tröstete.

Wen’s noch interessiert: auf den insgesamt 5500 gefahrenen Kilometer hatte unser Landy eine Durchschnittsverbrauch von 11,4 Liter.

solche Schilder liebe ich, im Vergleich zu den vielen Verbotsschilder an der Côte d’Azur.

2 thoughts on “Tour de France – Teil 3”

  1. Liebe Martina und Peter…so wunderlich, so wunderschön, so traumhaft schön..

    ich beneide Euch.. 😉

    lieben Gruß

    Jolanta

    1. Ja, liebe Jolanta. Es ist sehr toll hier in Frankreich. Ein Land, in das wir noch öfters fahren werden. Im Moment sind wir am Rhein und genießen die letzten beiden Tage.
      Liebe Grüße,
      Peter und Martina

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