Trinkwasseraufbereitung im Wohnmobil

Heute mal ein Beitrag, an dem wohl kein Reisender vorbei kommt.

In den letzten beiden Jahren war ich zweimal in Albanien. Es ist offensichtlich, dass dieses Land noch ein immenses Müllproblem hat. Besonders an den Stränden fällt dieses durch tausende angespülter Kunststoffflaschen auf. Nach einem abendlichen Spaziergang am Strand postete ich auf Instagram ein paar Fotos, auf denen die Unmengen an Müll zu sehen waren. Ich habe es gar nicht erwartet, in unzähligen Kommentaren zeigten Menschen ihre Entrüstung über dieses Problem. Viele berichteten von ihren eigenen Erfahrungen. Und andere fragten ob wir dann den Müll aufgesammelt hätten. Nein, haben wir nicht, lautete meine Antwort. Darauf hin kamen fast schon entrüstete Kommentare, dass man doch mit gutem Beispiel voran gehen und das tun solle. Es gibt im Netz sogar Initiativen, die dazu aufrufen. Ich persönlich sehe das allerdings etwas anders. Wobei ich niemanden daran hindern möchte, das zu tun, wenn dies seiner Vorstellung entspricht.

Für mich ist das Aufsammeln und beseitigen von anderer Leute Müll nicht die Lösung um das eigentliche Problem anzugehen. Ich argumentiere wie folgt:

  1. Durch das Wegräumen beschönige ich das eigentliche Problem, da es vorrangig nicht mehr ins Auge sticht. Mit Aufsammeln ist nur der Optik genüge getan.
  2. Den eigentlichen Verursacher erreiche ich so nicht.
  3. Was mache ich dann mit dem eingesammelten Müll? Selbst wenn ich ihn in die Tonne werfe, habe ich keine Garantie, dass er fachgerecht entsorgt wird. Es gibt genügend Länder, die kein funktionierendes Müllentsorgungssystem haben. Die Tonnen stehen wochenlang ungeleert und übervoll herum, werden von Tieren ausgeräumt, fallen um, werden angezündet oder auf wilden Deponien entsorgt. Der Müll landet dann doch wieder irgendwie in der Natur.
  4. Ich kann so niemals zum Vorbild für denjenigen werden, der den Müll verursacht.
  5. Nachahmer würden nur genau so viel, nämlich gar nichts an der Lösung des eigentlichen Problems erreichen.

Mein Ansatz ist ganz klar das Vermeiden von Müll. Und zwar nicht den Müll von anderen, sondern meinen EIGENEN. Dies ist der einzige Ansatz, der funktioniert, da ich mich dabei auf mich selbst konzentriere und es SELBST in der Hand habe ob es von Erfolg gekrönt ist oder nicht. Habe ich für mich eine praktikable Lösung gefunden, kann ich diese über soziale Medien verbreiten um Nachahmer zu finden. So wird es dann hoffentlich zum Schneeballsystem.

Um welche Art von Müll handelt es sich?

Bei unseren Strandspaziergängen hat es sich gezeigt, dass der meiste Müll an den Stränden angespülte Kunststoffflaschen sind, meist Trinkflaschen.

Da ich mit diesem Beitrag vor allem uns Camper und Vanlifer ansprechen möchte, setze ich auch hier entsprechend an. Die meisten von uns, wir selbst nicht ausgenommen, kaufen ihr Trinkwasser auf Reisen in den bekannten Kunststoffflaschen und werden somit selbst zum Glied in der globalen Müllproduktion.

Meine Idee ist es nun, nach Lösungen zu suchen, um selbst den Konsum und somit den Müll von Wasserflaschen aus Kunststoff zu vermeiden. Auf Instagram bat ich andere Camper um Vorschläge. Da darauf insgesamt nur vier entsprechende Kommentare eingingen, folgere ich daraus, dass tatsächlich noch die meisten von uns, wie auch wir selbst, Wasser aus Kunststoffflaschen trinken. Hierin besteht also für uns alle ein riesen Potential um Müll zu sparen!

Ich stelle mal folgende Rechnung auf

In Deutschland sind momentan 450 Tausend Wohnmobile und 500 Tausend Wohnwagen zugelassen, also in Summe 950 Tausend. Wenn jedes dieser Mobile im Jahr sechs Wochen von zwei Menschen genutzt wird und jede Person am Tag seine 1,5l Wasser aus einer Kunststoffflasche trinkt, sind dies in der Summe 79 Millionen 800 Tausend verbrauchte Kunststoffflaschen! Man stelle sich nur mal diesen riesigen Berg an Müll vor, der alleine von uns Campern jährlich produziert wird. Diesen gilt es zu vermeiden! Das können wir alle gemeinsam tun, indem wir unser Trinkwasser selbst herstellen und unsere Mobile mit entsprechenden Lösungen ausrüsten.

Welche Kriterien muss ein solches System erfüllen?

  1. Es geht darum, aus einem unsicheren Ausgangswasser ein sicheres und gut schmeckendes Trinkwasser zu machen. Als Ausgangswasser sollen alle Qualitäten eines einigermaßen klaren Wassers verwendet werden können. Also Wasser aus unsicheren Leitungen, Quell- oder Brunnenwasser oder sogar Wasser aus einem Fluss oder See. Jeder Reisende hat unzählige Möglichkeiten an solches Wasser zu kommen. Leitungswasser vom Camping- oder Stellplatz, der Tankstelle, Quellwasser aus der Natur oder aus einem gefassten Brunnen. Die Möglichkeiten sind vielfältig.
  2. Mit einer Filteranlage muss es möglich sein, jegliche krankmachende Arten von Keimen oder sogar von Viren zu entfernen. Aber auch chemische und andere ungesunde Bestandteile gilt es zu entfernen.
  3. Die Filteranlage muss mit geringem Aufwand von jedem (auch nachträglich) in den Camper einzubauen sein.
  4. Der Einkaufspreis sowie die Folgekosten sollte möglichst niedrig sein.

Es geht also darum, Wasser zu filtern …

… damit es mindestens Trinkwasserqualität erhält. Ich habe mir nun verschiedene Filter angeschaut. Danke auch für die Ideen und Hinweise auf Instagram. Im wesentlichen gibt es folgende Arten von Wasserfiltern:

  1. Ionentauscher > sind eigentlich keine Filter und dienen nur der Reduzierung von Kalk und der Geschmacksverbesserung.
  2. Sedimentfilter > filtert gröbere Bestandteile wie z. B. Schwebstoffe.
  3. Aktivkohlefilter > filtert überwiegend chemische Bestandteile und dient dem Geschmack.
  4. Keramikfilter > filtert Bakterien.
  5. Hohlfaserfilter > filtert ebenfalls Bakterien.
  6. Osmosefilter > filtert praktisch alles heraus, auch Vieren und Hormone.

Um die Leistung der einzelnen Filter zu verbessern, werden sie oft in Kombination eingesetzt.

Die Lösung

Nach langer Recherche und teils praktischer Erfahrung, habe ich mich schlussendlich für eine Osmoseanlage entschieden. Warum?

  1. Wie schon geschrieben filtert diese Anlage alles heraus, was größer ist als ein Wassermolekül.
  2. Mit diesem Filter mache ich Wasser nicht nur keimfrei sondern auch noch gesund, da wirklich nichts Schädliches mehr im Wasser verbleibt.
  3. Der ganze Filter ist so groß wie drei Handflächen und ist extrem leicht.
  4. Eine hochwertige Anlage kostet nur ca. 250 € (zzgl. ca. 60 € für eine zusätzliche Pumpe).
  5. Kann sehr leicht ins Womo eingebaut werden.
  6. Kann, bzw. sollte bei Nichtgebrauch Zuhause verwendet werden. So kann auch außerhalb der Reisen gesundes Trinkwasser herstellt werden und spart auch dort den Konsum von Flaschen.

Meine Anlage setzt sich wie folgt zusammen:

  1. Eine zusätzliche Pumpe, die den notwendigen Druck im Womo erzeugt. Ist Zuhause am Wassernetz nicht notwendig.
  2. Ein kleiner auswaschbarer Grobfilter.
  3. Ein Sedimentfilter.
  4. Ein Aktivkohlefilter.
  5. Die eigentliche Osmosemembran.
  6. Eine zusätzliche Zapfmöglichkeit in Form eines Kunststoffschlauches.
  7. Und eine Desinfiziermöglichkeit.
In der Mitte die Osmosemembran. Darunter und darüber Sediment- und Kohlefilter
In der Mitte die Osmosemembran. Darunter und darüber Sediment- und Kohlefilter
Die Zusatzpumpe um im Womo den notwendigen Druck zu erzeugen.
Die Zusatzpumpe um im Womo den notwendigen Druck zu erzeugen.

Zur Funktion

Mit diesem Filter produziere ich im Wohnmobil unser tägliches Trinkwasser. Das Wasser aus dem normalen Wasserhahn bleibt ungefiltert. Das ist auch kein Problem, da man zum Geschirrspülen, sich waschen oder duschen, etc. kein gefiltertes Wasser benötigt. Die Leistung einer Osmoseanlage reicht nicht aus um Wasser in größerer Menge pro Zeit zu liefern. Dafür ist sie auch nicht gedacht. Ich fülle jeden Morgen über eine separate Entnahmestelle die am Tag benötigte Trinkwassermenge in Glasflaschen ab. Dies dauert in etwa 10 Minuten für vier Liter Trinkwasser. Das ist mir die Umwelt und meine Gesundheit wert.

Die Abfüllung des Trinkwassers in Glasflaschen.
Die Abfüllung des Trinkwassers in Glasflaschen.

Erfahrung

Ich nutze diesen Filter nun schon ununterbrochen täglich seit drei Monaten, ohne jegliches Problem. Anders als mein Keramik-Kohlefilter im Landy, der in regelmäßigen Abständen verstopfte und mit größerem Aufwand gereinigt werden musste.

In diesen drei Monaten haben wir knapp 200 Kunststoffflaschen eingespart! Das ist doch eine tolle Leistung, oder? Ich würde mich freuen, wenn der eine oder andere Camper-Reisende meinem Beispiel folgt und sich ebenfalls eine Trinkwasseraufbereitung ins Wohnmobil einbaut.

Gerne beantworte ich eure Fragen und freue ich mich auf entsprechende Kommentare.

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