Wildes Campen, Camping Sauvage, Freedom Camping

 

In Frankreich lernten wir Franz und Amelie kennen. Franz ist ein leidenschaftlicher Paddler und Naturliebhaber. Dafür sind die beiden mit einem kleinen zum Camper umgebauten Bus unterwegs. Da an geeignetem Paddelterrain selten ein offizieller Womo-Stellplatz eingerichtet ist, stellen sich die beiden mit ihrem Bus meist irgendwo in die Natur. Franz ist bekennender Wildcamper. Mehr noch, er setzt sich seit Jahren dafür ein, dass mit Unwahrheiten zu diesem Thema aufgeräumt wird. Da dies auch uns ein Anliegen ist, möchte ich hier etwas an Text zu diesem Thema veröffentlichen. Franz ist Verfasser dieser Texte und sagt:

„Jedem ist erlaubt, sich 24 Stunden auf öffentlichem (im Notfall sogar auf privatem) Gelände aufzuhalten. Wieso das so ist, lest ihr in den Anhängen, die ich zur besseren Verbreitung in 3 Sprachen verfertigt habe, sozusagen zum Vorweisen, wenn ein Ordnungshüter ans Fenster klopft.

Beim Thema Wildes Camping bluffen die Behörden gerne. Das tun sie leider überall, auch in Neuseeland, wo ich (meist) wohne. Es wäre für alle ein Gewinn, wenn man mit der Irrlehre aufräumen könnte, wildes Camping sei verboten. Das ist nirgendwo auf der Welt verboten, nicht einmal in China. Ich praktiziere die Kunst – ja, leider muss man es eine Kunst nennen – des Freedom Camping oder Camping Sauvage, seit ich auf der Welt bin, also seit vielen Jahren – überall!“

Hier die besagten Texte, die gerne kopiert und weiter verbreitet werden dürfen:

Wildes Campen (rechtliche Aspekte)

Der Begriff Wildes Campen ist nicht definiert. Er existiert nicht im nationalen oder internationalen Recht. Grundsätzlich ist der Aufenthalt (auch das Schlafen und Übernachten) im Freien sowie in oder neben jeder Art von Fahrzeug für die Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit gestattet. Die Fahrtüchtigkeit ist etwas Subjektives, nicht Hinterfragbares. Sie wird unter anderem durch Hunger, Müdigkeit, Unkonzentriertheit, aber auch durch Alkohol sowie durch agressive oder depressive Gemütszustände beeinträchtigt. Beim Wiederherstellen der Fahrtüchtigkeit darf unter Umständen (von Regionalgesetzen abhängig) kein Aufbau von Stühlen, Tischen, Grillgeräten oder Markisen stattfinden. Ein länger als 24 Stunden dauernder Aufenthalt, der über das zur Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit notwendige Maß hinausgeht, kann im öffentlichen Verkehrsraum als unerlaubte Sondernutzung gelten und eine Ordnungswidrigkeit darstellen. Die Verbote richten sich nach der StVO oder der StVZO (ausschließlich). Die Gebote haben darüber hinaus das Menschenrecht auf freie Entfaltung und Selbstbestimmung zu berücksichtigen. Regionale Nebenregelungen, die diese übergeordneten Rechte beeinträchtigen, sind ungültig und unzulässig. Danach ist auf öffentlichem Gelände, zum Beispiel auf Raststätten, Picknick- und Parkplätzen das Übernachten in Zelten, PKWs, LKWs, Wohnmobilen oder Wohnwagen bis maximal 24 Stunden gestattet.

Das Konzept der Menschenrechte geht davon aus, dass alle Menschen allein aufgrund ihres Menschseins mit gleichen Rechten ausgestattet und dass diese egalitär begründeten Rechte universell, unveräußerlich und unteilbar sind. Sie sind unabhängig von der Staatsangehörigkeit eines Individuum und einklagbar. Menschenrechte werden heute gewöhnlich als Abwehrrechte des Bürgers gegen den Staat zum Schutz seiner Freiheitssphäre verstanden.

Rechtsquellen (sources legales)

Die maßgebliche Quelle für den Bestand und Gehalt der Menschenrechte ist die International Bill of Human Rights der Vereinten Nationen (Artikel 18). Dazu kommen in den verschiedenen Ländern regionale Menschenrechtsabkommen. In Europa ist dies die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK). Die Konvention wurde im Rahmen des Europarats ausgehandelt, am 4. November 1950 in Rom unterzeichnet und trat am 3. Juli 1953 in Kraft. Tangiert wird die Handlungsfreieheit und das Recht auf Selbstbestimmung. Das Handeln einer Person gilt als frei, wenn es ihr möglich ist, das zu tun, was sie will, also ihrer Natur, Interessen und Motiven zu folgen. Wenn durch äußere oder innere Umstände die gewollten Handlungen nicht durchgeführt werden können, ist die Handlungsfreiheit eingeschränkt. Siehe auch Artikel 13 der Menschenrechte, das Recht auf Freizügigkeit.

Hinweis: die englische und französische Version ist nicht die wörtliche Übersetzung der deutschen. Die 3 Versionen ergänzen (und überschneiden) sich.

Camping Sauvage (aspects légaux)

Il y a un droit international qui permet de rester sur des places publiques pour au moins 24 heures, et plus généralement tout le temps nécessaire pour récupérer ses capacités mentales (vertige, distraction, alcool), physiques (fatigue, faim, douleur) ou émotionnelles (agressivité, dépression). Cette loi s´applique jour et nuit, éveillé ou endormi, en dehors ou sous abri, dans une voiture, une caravane, un home-mobile ou une tente.

Le concept du Camping Sauvage n’est pas clairement défini. Il n’apparait pas dans la loi nationale ou internationale mais peut être compris comme le fait de séjourner pour plus de 24 heures sur une place publique ou dans la nature. Le Camping Sauvage est une forme d’autodétermination et représente en tant que telle un droit humain fondamental qui ne doit être compromis sous aucun prétexte (danger d’incendie, pollution, toilette). C´est pourquoi le Camping Sauvage ne pourrait être restreint, entravé ou interdit par les autorités officielles et doit rester complètement gratuit.

Il n’est pas convenable de faire payer les gens (directement ou indirectement) pour passer la nuit en dehors des hôtels ou des places de camping payantes. Le Camping Sauvage n’est pas seulement une question d’argent. Il y a certes des gens qui n’en ont pas, mais d’autres souhaitent tout simplement d’être en plein air pour des raisons bien différentes (esthétiques, privées ou par goût d’aventure). L´état ne peut pas leur refuser le droit de passer une nuit ou une journée gratuitement à un endroit de leur choix (sans restrictions). Tout au contraire, l’état est dans l’obligation de faciliter cette sorte de vie. Les communes doivent assurer qu’il y a assez de places gratuites disponibles (pique-niques) et qu’il s’en trouve à des intervalles réguliers le bord des routes. Personne ne doit avoir à justifier ou à expliquer ses raisons pour passer un certain temps à un endroit public ou en pleine nature. Les panneaux de signalisation interdisant le Camping Sauvage sont eux-mêmes illégaux et devraient disparaître. Il n’y a lieu en aucun cas d’abuser des panneaux de signalisation routière pour interdire le Camping Sauvage. Il est inhumain et pour autant illégitime de pénaliser qui que ce soit pour la seule raison qu’il dorme ou qu’il soit en vie.

Freedom Camping (legal aspects)

General traffic rules allow individuals to stop on all public lands (such as picnic spots and rest areas) for at least 24 hours, or such time as is needed to restore any impared capacities; mental (dizziness, lack of concentration, alcohol), physical (sleepiness, hunger, pain) or emotional (aggressiveness, depression). This should apply day or night, awake or asleep, in the open or under a shelter, in a car, caravan, mobile home or tent. This right is also enshrined by international laws such as the United Nations Bill of Human Rights.

Freedom Camping is defined as staying longer than a day in one place. This represents a form of self-determination, and as such is a fundamental human right which cannot be compromised under any pretext (fire danger, toileting, pollution). It is improper to oblige people (directly or indirectly) to pay for commercial accommodation. Freedom camping is not only an issue of cost and affordability. There are people who cannot afford to pay for overnight accomodation, but there are also those who simply wish to avoid places such as hotels, huts, and commercial campsites for reasons of aesthetics, privacy, or convenience. The state cannot deny them the right to spend a day or a night somewhere free of charge. Quite the contrary: society has an obligation to make this possible. Freedom camping is explicitly not to be restricted or hindered in any way by anybody, especially not by public authorities; and it has to remain completely free of charge.

Communities have to ensure that there is enough space for freedom campers on beaches, rivers and roadsides. Picnic spots and similar public spaces should be made available for everybody, including freedom campers, at convenient places and regular intervals across the country and along the highways. Nobody should have to justify or explain when they need or choose to spend the night for free on public lands. Signs which ban overnight camping are in themselves illegal and should be removed. Traffic control signs should not be misused to restrict freedom camping. It is inhumane and therefore illegitimate to force travelers to pay for a night’s sleep. Charging people a fee to sleep is as unwarranted as charging an existence tax, levied on one simply for being alive.

 

Gerne kann zu diesem Thema diskutiert werden. Franz hat sich bereit erklärt zu diesem Thema gerne mehr Infos beizutragen.

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